6.13 Uhr - Nichts geht mehr (1/6)
Shownotes
In Folge 1 rekonstruieren wir die ersten Stunden des Stromausfalls. Niemand weiß was los ist. Mit dem Strom sind auch Internet und Handyempfang weg. Verunsicherung macht sich breit. Bei den Menschen. Aber auch bei den Verantwortlichen aus der Krisenkoordination.
Wir recherchieren, warum auf diesen Ausnahmezustand, vor dem seit Jahren gewarnt wird, niemand richtig vorbereitet war. Dabei treffen unsere Tagesspiegel-Reporter auch jene Menschen in den Blackout-Gebieten, für die es um Leben und Tod ging. So wie Andreas Thomsen. Denn sein Leben hängt an einer Steckdose. Er ist auf ein Beatmungsgerät angewiesen. Sein Notstrom-Akku hält nur für sechs Stunden. Und es beginnt ein Rennen gegen die Zeit.
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Recherche: Boris Buchholz, Alexander Fröhlich, Julius Geiler, Sonja Gillert, Christian Latz, Sebastian Leber, Kai Müller, Anke Myrre, Valeriia Semeniuk und Karsten Wiedemann
Skript: Sonja Gillert und Julius Geiler
Schnitt: Elisabeth Krafft, Hilda Lücker und Marvin Schwarz
Produktion, Sounddesign und Musik: Marvin Schwarz
Mitarbeit: Hilda Lücker, Melanie Probandt, Sandra Schumann und Morten Wenzek
Redaktion: Sidney Gennies und Sonja Gillert
Ein Dank geht an Laura Himmelreich, Muhammad Abdi, Cristina Plett, Nassim Rad, Raissa Schreiner und Mascha Fouquet
Für das Sounddesign des Podcast wurde teilweise unterstützend KI eingesetzt.
Transkript anzeigen
00:00:02: Tagesspiegel.
00:00:21: Das, was ihr gerade hört – genau darum geht es in diesem Podcast!
00:00:27: Es ist der Moment, in dem es plötzlich ganz still wird.
00:00:31: So klingt es wenn der Strom ausfällt.
00:00:35: Diese Stille erlebt Berlin am dritten Januar zwetausendsechsundzwanzig und mit der Stille kommt an diesem Samstagmorgen die Verunsicherung.
00:00:46: Da bin ich irgendwie schon
00:00:46: so um
00:00:47: acht aufgewacht
00:00:48: Und hab dann gemerkt, dass es irgendwie kalt ist.
00:00:51: Ungewöhnlich
00:00:52: kalt!
00:00:52: Als wir die Rollsäten aufmachen wollten, merken wir das nichts mehr geht.
00:00:56: Es
00:00:56: gab kein Internet, aber konnte ich auch nicht nachgucken.
00:00:58: Die Telefoner funktionierten nicht... Dann haben wir schon gesehen, dass die Ampel nicht funktionierte und das war so der erste Key, wo er gesagt hat, oh jetzt
00:01:06: was ist denn da los?
00:01:08: Ganz weit im Südwesten Berlins in Wannsee wird Andreas Thompson aus dem Schlaf gerissen.
00:01:13: Um sechs war's viel allzu piepig.
00:01:17: Dieses laute Piepen kommt von Thompson's Beatmungsgerät.
00:01:20: Ein Alarm, der ertönt, wenn er Notstromakku übernimmt.
00:01:23: Der Rechtsanwalt ist auf ein Sauerstoffgerät angewiesen.
00:01:27: Der Akku reicht für sechs Stunden.
00:01:33: Etwa hunderttausend Menschen werden an diesem Morgen ohne Strom wach.
00:01:37: Seit sechso-dreizehn geht nichts
00:01:39: mehr.
00:01:40: Eine einfache Netzstörung oder etwas Größeres?
00:01:43: Was genau los ist weiß im Südwesten der Hauptstadt kaum jemand!
00:01:49: Hundert vier Stunden wird es dauern, bis der Strom zurück ist.
00:01:53: Ein Anschlag führt in Berlin zum längsten Stromausfall seit Jahrzehnten.
00:02:02: Ich bin Julius Geiler, Reporter beim Tagesspiegel
00:02:05: und ich bin Sonja Gillardt.
00:02:07: Wir rekonstruieren in diesem Podcast den Blackout in der
00:02:11: Hauptstadt.
00:02:12: wir sprechen mit Menschen für die es Anfang Januar um Leben und Tod geht
00:02:16: Mit denen
00:02:17: die versuchen die Krise zu managen mit Experten die schon oft vor einem solchen Szenario gewarnt haben und mit denen, die das anscheinend ignoriert haben.
00:02:27: Dass das so einfach nach wie vor ist, konnte auch ich mir nicht vorstellen.
00:02:31: Mir war sehr schnell klar, dass da Menschenleben betroffen sein könnten.
00:02:36: Ich kann doch nicht sagen wir müssen erst mal überall zwei Stromausfälle gehabt haben bis hier der Bezirk auf dem ordentlichen Niveau der Vorbereitung ist.
00:02:44: Während unserer Recherchen wird klar ein solcher Blackout kein reines Berliner Problem.
00:02:50: Er hätte auch in Düsseldorf, Leipzig oder München passieren können.
00:02:54: Die fünf Tage ohne Strom beantworten entscheidende Fragen.
00:02:58: Wie gut sind wir auf einen solchen Angriff vorbereitet?
00:03:02: Und was muss sich in ganz Deutschland ändern, damit wir krisenfester werden?
00:03:07: Aber jetzt erst mal zurück zum Anfang!
00:03:09: Tag eins.
00:03:26: Das ist Folge Eins.
00:03:43: Alles beginnt am dritten Januar in einer Kleingartensiedlung im südwesten Berlins.
00:03:48: Hier, am Ende des Dahlienwegs ist ein kleines rostrotes Häuschen zu sehen direkt am Telto-Kanal.
00:03:54: Auf der anderen Uferseite stehen die dicken weißen Kühltürme des Heizkraftwerks lichter Felde.
00:04:01: Diese rostrote Hütte ist für diesen Podcast und für schätzungsweise hunderttausend Menschen in Berlin entscheidend.
00:04:08: Denn durch das Häuschen verlaufen mehrere Leitungen, sie kommen über eine Kabelbrücke direkt vom Kraftwerk.
00:04:18: Am dritten Januar wird morgens um sechs Uhr fünfundvierzig hier aus der Kolonie Zukunft die Feuerwehr alarmiert.
00:04:25: an der rostroten Hütthe brennt es
00:04:28: ein Kleingärtner, Erinnert sich auch Wochen später noch gut an diesen Tag.
00:04:36: Ich hab Angst gehabt, dass mein Garten in gebrannt ist oder so.
00:04:41: Trotz Schnee und Minusgraden fährt er raus in den Garten.
00:04:44: Da war noch Polizei da?
00:04:46: Hier war alles gesperrt.
00:04:49: Von diesem Feuer von dem Polizeieinsatz wissen die Menschen, die am frühen Morgen im kalten und dunklen Wachwerden erst einmal nichts.
00:04:57: Sie spür nur die Folgen!
00:05:01: Ein langanhaltender großflächiger Stromausfall, ein Blackout.
00:05:05: Das ist in unserer vernetzten Gesellschaft das Schreckensszenario vor dem Fachleute seit Jahren waren – auch der Terrorismus- und Extremismusforscher Peter Neumann.
00:05:16: Mit Elektrizität habe ich eben die Möglichkeit.
00:05:19: da sterben dann tatsächlich Menschen.
00:05:21: Und insofern ist es wahrscheinlich die
00:05:24: effektivste Art
00:05:25: und Weise eine Gesellschaft
00:05:27: zu destabilisieren.
00:05:31: Seit Jahrzehnte verzeichnen die Landeskriminalämter fünfhundertsechsundsiebzig politisch motivierte Angriffe auf Energieversorgungseinrichtungen, auf unsere kritische Infrastruktur.
00:05:44: Motive dafür haben viele – Extremisten aber eben auch feindliche Staaten!
00:05:49: Spätestens seit der russischen Vollinvasion der Ukraine ist klar Deutschland muss krisenfester werden im Verteidigungs- und eben auch im Katastrophenfall.
00:05:59: Die kritische Infrastruktur steht ganz oben auf der Liste möglicher Ziele.
00:06:04: Kritische Infrastrukturen, das ist sozusagen das Blutsystem die Arterien,
00:06:09: die alle Organe versorgen.
00:06:11: und wenn man eben
00:06:12: dieses Blutssystem
00:06:14: stört, die Versorgung des Körpers mit Blut dann geht nicht ein Organ kaputt, dann gehen alle Organen kaputt.
00:06:21: Dieses Bluts system damit meint Neumann Wasser, Krankenhäuser, Flughäfen, Supermärkte, Banken, Busse, Bahn und eben auch Elektrizität.
00:06:33: Alles was unseren Alltag am Laufen hält!
00:06:36: Und dieser Alltag ist Anfang Januar ganz plötzlich gestört.
00:06:47: In Berliner Südwesten trifft der Stromausfall Menschen die sonst wenig gemein haben.
00:06:52: Da sind die Bewohner in den Wohntürmen der Thermometer-Siedlung aber auch die Menschen in den Einfamilienhäusern Alter und Junge, Familien und Alleinstehende, gesunde und kranke.
00:07:04: Keiner hat Strom.
00:07:05: doch schon in den ersten Stunden ist klar ein Blackout verstärkt diese Ungleichheit.
00:07:11: für die einen wird es zum Abenteuer für andere lebensbedrohlich.
00:07:16: einer von ihnen ist Andreas Thompson.
00:07:18: ihr habt ihn eben schon gehört.
00:07:19: sein Leben hängt an einer Steckdose.
00:07:21: wir besuchen ihn einige Wochen später in seinem Zuhause zweiter Stock eines mehrfamilien hauses direkt am Wannsee.
00:07:29: Sie haben hier einen sehr schönen Blick.
00:07:33: Durch seine Erkrankung an amyotrophalateralsklerose kann Thompson nicht mehr alleine atmen und sich nur schwer bewegen.
00:07:41: Als der Strom ausfällt, setzt er Notstromakku seines Beatmungsgeräts ein.
00:07:46: Der reicht für sechs Stunden.
00:07:48: Aus der Nacht sind noch zwei Pfleger bei ihm auf die Thomson angewiesen ist.
00:07:52: Denn er sitzt in einem schweren Rollstuhl Vor allem an diesem dritten Januar, denn ohne Strom fällt auch sein Aufzug aus.
00:08:03: Wenn die Feuerwehr kommt
00:08:05: und
00:08:05: mein Aufzug stehen steht weil kein Strom da muss ich von sechs Leuten diese Wettetreppe untergewaffen.
00:08:15: das die Hölle Und deshalb hatte
00:08:17: ich auch
00:08:18: ein bisschen gehofft dass dann schnell vorbei geht.
00:08:22: Er will deswegen erst einmal abwarten verlässt sich auf die ersten Informationen die er im Internet findet.
00:08:27: Handyempfang hat er tatsächlich noch.
00:08:30: Dann
00:08:30: war
00:08:31: die Festlegung, dass um zehn Uhr alles vorbei ist und dann dachte ich okay das sei reich war weil die Akkulaufzeit an sich zig Stunden beträgt.
00:08:44: Thompson geht von einer einfachen Netzstörung aus.
00:08:47: passiert ja schon mal doch diesmal ist etwas anders.
00:08:52: Dieser dritte Januar ist der Tag, an dem sich zeigen wird, ob die Hauptstadt auf einen solchen Ausfall vorbereitet ist und ob man die Warnung vor Angriffen auf die kritische Infrastruktur ernst genommen hat.
00:09:06: Ein Monat vor den Blackout hatte der Landesrechnungshof der Berliner Krisenvorsorge ein katastrophales Zeugnis ausgestellt – es bezieht sich auf die Jahre.
00:09:18: Berlin ist organisatorisch und personell nicht gut auf den Krisenfall vorbereitet.
00:09:23: Die Zuständigkeiten und Ressourcen sind weitgehend ungeklärt, so ist Berlin im Ernstfall nicht handlungsfähig.
00:09:32: Jetzt
00:09:32: ist der Eingetreten der erwähnte Ernstfall in Bezirk Steglitz-Zehlendorf.
00:09:36: Einer, der in solchen Situation immer angerufen wird, ist Albrecht Brömmel.
00:09:41: So ein Bezirk ist wie eine Großstadt Und auch vom Stromausfall betreffend, das ist eine Großstadt.
00:09:47: Bitte schön!
00:09:47: Also... Das is nicht
00:09:49: Pinnenpalle.".
00:09:50: Ihr werdet Albrecht Brömme in diesem Podcast noch öfter hören.
00:09:54: Er ist seventy- zwei Jahre alt und er trägt einen blauen THW-Pullover als wir uns zum Interview treffen.
00:09:59: Viele Jahre war er der Präsident des Technischen Hilfswerks Deutschland – davor der jüngste Leiter der Berliner Feuerwehr.
00:10:06: Brömme ist Experte für fast jede Katastrophe.
00:10:10: Eigentlich ist er schon seit sechs Jahren in Ruhestand.
00:10:12: Doch dann kam die Corona-Pandemie, dann die Ukraine-Krise mit vielen Flüchtlingen und Anfang im Jahr zwanzig holt ihn der Stromausfall in Berlin erneut aus dem Ruhistan zurück.
00:10:23: Wegen des Black Outs wird er eine Expertenkommission des Landes Berlin berufen.
00:10:27: Sein Auftrag kommt vom regierenden Bürgermeister Kai Wegner.
00:10:31: Ich möchte dass Berlin zu einer echten Modellstadt wird.
00:10:35: Zu einer echte Modellstatt für Krisenfestigkeit In Deutschland, meine Damen und Herren.
00:10:41: Das muss jetzt unser Ziel und auch unser Anspruch
00:10:45: sein.".
00:10:46: Wenn man Brömme zuhört, dann ist die Hauptstadt von diesem Anspruch Anfang Januar noch weit entfernt – auch wenn sich seit dem desaströsen Berichtes Landesrechnungshofs einiges verbessert habe!
00:10:58: Fünfzehn, siebzehn.
00:11:03: Achtzehn und sag ich was ist mit den anderen eigentlich?
00:11:11: Naja die haben es entschuldigt oder kommen halt nicht.
00:11:16: Jetzt wird das etwas technisch aber ohne Strukturen lässt sich eine Krise eben nicht bewältigen.
00:11:23: Die verteilt sich auf sehr viele Köpfe.
00:11:25: In der Hauptstadt sind siebenund dreißig Behörden am Katastrophenschutz beteiligt Neben Feuerwehr- und Polizei die Senatsverwaltung für Inneres Weitere Einrichtungen Und die zwölf Bezirke.
00:11:37: Die Bezirke sind in Berlin im Krisenfall als erste zuständig.
00:11:41: Immer die unterste Ebene, das ist in ganz Deutschland so.
00:11:45: Sie können den Katastrophenfall ausrufen und damit die nächste Ebene – im Fall der Hauptstadt des Landes Berlin um Hilfe bitten!
00:11:53: Und bei diesem Schritt fängt das Problem für Brömme auch schon an...
00:11:57: Wir müssen aber auch akzeptieren oder verstehen dass das Eingeständnis da sich jetzt überfordert wird es natürlich auch ein Stückchen zugeben, dass ich vielleicht nicht richtig vorbereitet bin und es hätte besser machen können.
00:12:13: Und da ist jetzt schon mal die erste Schwelle an, die man oft hat, dass das eben dann nicht gemacht wird oder zu spät gemacht
00:12:20: wird.".
00:12:21: Die Strukturen sind das eine – konkrete Vorbereitung für die Krise des Anderen!
00:12:26: Was dafür zu tun ist, dass sei eigentlich klar geregelt, sagt Brömmer?
00:12:30: Solche Vorgaben gibt's….
00:12:32: Aber die werden als unverbindliche Empfehlungen verstanden und der eine Bezirk macht es, insbesondere wenn das schon mal betroffen war.
00:12:38: Der andere nicht.
00:12:39: Treptoripinik hat viel gelernt aus zwei Stromausfällen ... Ich kann doch nicht sagen wir müssen erst mal überall zwei Stromausfälle gehabt haben.
00:12:46: Wir sehen der Bezirk auf dem ordentlichen Niveau der Vorbereitung ist.
00:12:49: Das müsste doch bitteschön auch anders gehen!
00:12:54: Was genau in der Vorbreitung fehlt und wo die Strukturen zum Problem werden wird in Berlin im Januar deutlich sichtbar.
00:13:01: Die Debatte darüber, was gut und schlecht lief, wo Verantwortliche versagt haben oder zuverlässige Macher waren – die beschäftigt die Hauptstadt noch Wochen später.
00:13:13: In genau diesem Wirrwahr aus Zuständigkeiten findet sich am Morgen des dritten Januar Maren Schellenberg wieder!
00:13:19: Schellenberg ist seit dem Jahr- und-Zwischen für die grünen Bürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf ein Bezirk ganz im Südwesten Berlins.
00:13:27: Sie hat erst einmal großes Glück Denn sie lebt zweihundert Meter außerhalb des Blackout-Gebiets.
00:13:33: Es werden die wohl anstrengendsten fünf Tage ihrer Amtszeit.
00:13:37: Am Samstagmorgen bekommt ihr einen Anruf von der Gesundheitssinnatoren, dann eine WhatsAppnachricht vom Leiter des Katastrophenschutzes.
00:13:45: Großflächiger Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf.
00:13:48: Wir sitzen im Krisenstab im Rathaus.
00:13:51: Das war so zwischen sieben und acht Uhr.
00:13:55: Maren Schellenberg ist mit ihrem Bezirk an diesem Morgen als erste zuständig.
00:13:59: Sie fährt mit dem Auto noch zur Tankstelle, sicher ist sicher.
00:14:02: Dann direkt ins Rathaus!
00:14:04: Jetzt schlägt die Stunde der Krisenstäbe.
00:14:07: Wir standen dann im Rathause.
00:14:09: Wir hatten ja das große Glück dass das Rathouse hier voll funktionsfähig war in unserem Bauteil B hinten im zweiten Stock erstmal durchaus etwas aufgeregt In dem Versuch erst mal die Situation überhaupt zu überblicken.
00:14:26: Mittlerweile hat die Feuerwehr Vollalarm ausgelöst.
00:14:29: Bedeutet, alle verfügbaren Einsatzkräfte werden alarmiert.
00:14:33: Bei der Polizei in der Senatsinnenverwaltung an allen Stellen tagen die Krisenstäbe.
00:14:41: Man vernetzt sich untereinander – im Rathaus Seelendorf wird außerdem viel telefoniert mit Hilfsorganisation, anderen Bezirken und dem Senat.
00:14:52: Doch in den nächsten Tagen wird Kritik laut ob die Krisensstäbe wirklich so effektiv und vernetzt gearbeitet haben wie es klingt.
00:14:59: Aber dazu später.
00:15:02: Am Montagmorgen ist das Ausmaß des Blackouts schnell klar, die Liste ist lang.
00:15:24: sehr schnell erfahren, dass die Krankenhäuser keine großen Schwierigkeiten haben.
00:15:30: Weil sie entweder den Notstrom oder anders versorgt sind.
00:15:35: Doch das bedeutet nicht, dass damit alle besonders gefährdeten Menschen in Sicherheit sind.
00:15:40: Nicht jedes Pflegeheim verfügt über Notstromaggregate und Anschlüsse.
00:15:45: Hilfsbedürftige zu Hause können weder den Notruf erreichen noch funktionieren Hausnotrufknöpfe.
00:15:51: Mir war sehr schnell klar, dass da auch Menschenleben betroffen sein könnten.
00:15:57: Menschen die dringend auf Strom angewiesen sind, ob das Beatmungsgeräte oder sonstige Dinge sind.
00:16:05: Trotz allem ist Schellenberg am Samstagmorgen erst einmal optimistisch, dass sich das Problem bis zum Abend erledigt hat.
00:16:12: Es war ja erstmal nur die Meldung Stromausfall großflächig und bis um ... Sechs halb sieben bekommt die Stromnetz das wieder in Griff.
00:16:24: Bis achtzehn, achtzehnt nur dreißig wird geplant.
00:16:26: Das heißt konkret im Rathaus, mithilfe der Polizei und Feuerwehr sollen die Menschen informiert werden was zu tun ist.
00:16:33: Seniorenfreizeitstätten sollen öffnen dort will man Kaffee und Tee auschenken Und abends ist die Krise überstanden.
00:16:39: Doch selbst in diesem Bestcase gibt es eine riesige Herausforderung.
00:16:43: Die meisten Menschen wissen bisher nicht einmal was los ist Ganz zu schweigend davon, wo sie sich aufwärmen und Handys laden können.
00:16:53: Um acht Uhr fünfundvierzig dann ein erster Informationsversuch Eine Pushmeldung samt Alarmton geht raus.
00:17:04: Extreme Gefahr Achtung!
00:17:06: Warnungen.
00:17:07: Stromausfall für Berlin.
00:17:09: Dazu einen Link für mehr Informationen.
00:17:11: Die
00:17:17: meisten Handys in den Blackout-Gebieten bleiben ohnehin stumm.
00:17:21: Das Handynetz ist fast überall in betroffenem Bereich ausgefallen.
00:17:26: Und genau das ist an diesem ersten Tag des Stromausfalls das größte Problem, die Betroffenen zu informieren.
00:17:32: Dieses Gefühl im Dunkeln zu sitzen und nicht so wissen was los ist.
00:17:36: Nicht einfach am Internet nachschauen zu können, niemand anrufen zu können – das macht Angst und verunsichert!
00:17:43: So entstehen schnell Gerüchte und Falschmeldungen.
00:17:47: Um das zu verhindern soll es in Berlin eigentlich forty-fünfzig sogenannte Leuchttürme geben die natürlich schon vor einer Krise jeder kennen müsste.
00:17:55: Ein Leuchtturm ist einfach ein Informationspunkt, wo man in so ner Lage hingehen kann weil eben wenn alles nicht funktioniert dort kriegt man Informationen
00:18:05: auch das zählen.
00:18:05: der Verrathaus soll ein solcher Leuchthurm sein zumindest auf dem Papier denn einsatzbereit isst er im Januar nicht.
00:18:16: einige Betroffene machen sich auf den Weg in andere Bezirke sowie höhweg ihr erinnert euch der Betreiber des Cafés ins Schlachtensee Er steckt ins Auto auf der Suche nach Handynetz.
00:18:26: Einfach so im Mexiko-Platz Richtung Zillendorf und irgendwann war Internet da, nachgeschaut Stromausfall
00:18:33: ... Und
00:18:34: zu dem Zeitpunkt hieß es dann noch um siebzenunddreißig soll der Strom wieder da sein.
00:18:40: Am Abend wird der Strom zurück sein.
00:18:42: Diese Aussicht stimmt höhbig und viele andere am Samstagvormittag hoffnungsvoll.
00:18:47: Doch diese Hoffnung kann gefährlich werden.
00:18:50: Was hinter der Zeitangabe steckt, das kann am besten Henrik Beuster erklären!
00:18:55: Er ist Sprecher bei Stromnetz Berlin.
00:18:57: Das ist der Netzbetreiber,
00:19:12: Und
00:19:24: zwar von Stromnetz Berlin, der Tag an einem geheimen
00:19:27: Ort.
00:19:29: Während sich die Mitarbeiter von Stromnetz Berlin zusammen mit Polizei und Feuerwehr noch über den Schaden und die Dauer einer Reparatur beraten, kursiert schon die Uhrzeit auf deren Grundlage viele Planen.
00:19:40: Wir veröffentlichen alle unsere Störungen, die wir haben auf unserer Webseite
00:19:44: und auch
00:19:45: via
00:19:45: Social Media.
00:19:46: Das Besondere
00:19:47: dabei
00:19:47: ist das
00:19:48: je nachdem was es für
00:19:49: eine Störung
00:19:49: ist dass diese Nachricht
00:19:50: nicht von dem Menschen
00:19:52: generiert wird sondern von einem IT System.
00:19:54: Und an dieser Stelle ist es so, ab einer bestimmten Größe der Störung und absehbar, okay.
00:20:00: So und so viele Teile des Netzes sind
00:20:02: betroffen.
00:20:03: Es gibt dann sozusagen vom System eine automatisch gesetzte Marke.
00:20:07: Die war
00:20:07: achtzehnundreißig.".
00:20:09: Eigentlich ist dieses System praktisch – außer in diesem Fall!
00:20:13: Wer auf Strom angewiesen ist für den macht es einen großen Unterschied wann genau er wieder fließt.
00:20:23: Ein kurzer Hinweis in eigener Sache An diesem Podcast haben viele Journalistinnen des Tagespiegels mitgearbeitet.
00:20:30: Solche Recherchen sind Teamarbeit und brauchen Zeit und Ressourcen!
00:20:35: Wenn ihr tiefgehenden und unabhängigen Journalismus unterstützen möchtet, dann könnt ihr das mit einem Tagesspiegel-Abo machen.
00:20:42: Damit ermöglicht Ihr Podcasts wie diesen – und ihr hört als Abonnenten die nächste Folge von hundert vier Stunden Blackout schon eine Woche früher.
00:20:52: Mehr Infos findet ihr unter tagespiegel.de slash Podcast-Abo und natürlich in den Shownotes.
00:21:02: Während viele Betroffene immer noch redseln, was eigentlich vor sich geht veröffentlicht die Polizei Berlin auf X neue Informationen – und zwar zur Ursache des Stromausfalls!
00:21:14: Unsere Kripo ist vor Ort und ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung.
00:21:20: Kein Unfall ein gezielter Angriff also?
00:21:23: Eine Nachricht, die für Andreas Thompson in seiner Wohnung direkt am Warnsee alles verändert.
00:21:28: Dann laß ich
00:21:30: Anschlag?
00:21:32: Da wusste ich jetzt, jetzt liegt die Uhr.
00:21:36: Fast drei der insgesamt sechs Stunden des Notstromakkus von Thompsons Beatmungsgerät sind bereits verbraucht.
00:21:43: Da war gleich
00:21:43: jetzt noch nichts mehr vorlass
00:21:46: und dann wurde
00:21:47: ich ohne ruhig.
00:21:49: Jetzt muss etwas passieren.
00:21:50: Thomsens Pfleger haben zum Glück Handyempfang.
00:21:53: Sie alarmieren die Feuerwehr und dies auch bald da.
00:21:55: Doch die Rettungskräfte stoßen auf ein Hindernis.
00:21:58: Ohne Strom bewegt sich das elektrische Eingangstor zum Grundstück kein Millimeter.
00:22:09: In Stromzeiten ist das elektronische Schloss praktisch, damit die Pfleger ohne Schlüssel nur mit Zahlencoats zu Thompson gelangen können.
00:22:16: Ohn Strom wird es zur Falle.
00:22:19: Tomsons Pflegerin Violetta hat schließlich die rettende Idee Mit einer Haarnadel schafft sie es, das Schloss des Müllraums zu knacken.
00:22:26: So gelangt die Feuerwehr doch noch auf das Grundstück.
00:22:29: Aber dann stellt sich heraus im Rettungswagen ist kein für Thompson geeignetes Beatmungsgerät vorhanden.
00:22:35: Ein zweiter Wagen muss kommen ...
00:22:37: Und dann kommt große Unruhe
00:22:39: auf!
00:22:40: Thompson kann kaum noch reden.
00:22:42: Wieder verstreicht lebenswichtige Zeit.
00:22:44: Da der Aufzug nicht geht, muss er die enge Wendeltreppe hinuntergetragen werden.
00:22:48: Schritt-für-Schritt transportieren ihn sechs Feuerwehrleute nach unten eine Tortur
00:22:53: Und in der wirklich großen Not habe ich auch
00:22:57: gebetet.
00:22:58: Das hat mich ruhiger
00:23:00: gemacht.".
00:23:01: Als Thompson im Rettungswagen ankommt, bleiben ihm noch zwei Minuten.
00:23:05: Dann will die Ärzte seine Atemhilfe gegen das vollgeladene Beatmungsgerät im Wagen tauschen.
00:23:10: Er ist panisch, er wehrt sich – so groß ist die Angst vor dem Asticken!
00:23:26: Thompson wird in ein Krankenhaus gebracht.
00:23:31: Das Einsatzprotokoll der Feuerwehr, das dem Tagesspiegel-Exklusiv vorliegt zeigt ... Bei einem Viertel der Fälle muss die Lage so ernst gewesen sein dass ein Notarzt im Einsatz war.
00:23:50: Thompson betont immer wieder wie gut die Notärzten und die Rettungskräfte ihn betreut hätten.
00:23:55: Doch noch Wochen nach dem Schock beschäftigt ihn eine Frage ganz besonders.
00:24:00: Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass ein Brandanschlag so viele Menschen ohne Strom zurücklässt?
00:24:06: Ein Elektro-System ohne Retodazent
00:24:09: ist der Frechheit!
00:24:12: Ist unser Stromnetz wirklich so verletzlich?
00:24:18: Maren Schellenberg, die Bürgermeisterin von Stegle Zählendorf bekommt am Nachmittag eine Ahnung davon wie verletzlich es ist... Sie erinnert sich nicht mehr genau daran, wer am Telefon war.
00:24:28: Aber ganz genau was ihr gesagt wird?
00:24:31: Die Reparatur der zerstörten Kabel dauert länger – viel länger!
00:24:35: Statt am Samstag um achtzehn und dreißig soll der Strom erst am Donnerstag zurück sein in etwa fünf Tagen.
00:24:42: Da war ein gewisses Entsetzen weil da war tatsächlich die Frage wie kriegen wir das bei diesen Temperaturen hin diese große Anzahl an Menschen, dass sie das überstehen?
00:24:56: Ein Sturmtief treibt eisige Luft von der Ostsee nach Berlin.
00:24:59: Schnee, Minusgrade bis mindestens Mitte der Woche lautet die Wettervorhersage.
00:25:03: Es muss ein neuer Plan her.
00:25:05: Warmer Kaffee in beheizten Seniorenfreizeitstätten wird für diese Dimension eines Stromausfalls nicht reichen.
00:25:11: Wir waren nicht gut vorbereitet auf einen so langen, so kalten Stromausfall über so große Flächen.
00:25:26: Wie unzureichend vorbereitet Berlin ist, beginnt zu diesem Zeitpunkt, Walter Seiler zu erahnen.
00:25:31: Nur vier Autominuten vom Rathaus Zählendorf entfernt befindet sich das Diakonie-Hospiz Wannsee.
00:25:37: Vierzehn Gäste und das Pflegepersonal sitzen hier seit dem Morgen im Kalten.
00:25:42: Seiler ist der Geschäftsführer.
00:25:45: Hospizgäste sind Menschen, die wissen, dass sie nur
00:25:48: noch wenige Tage, Wochen manchmal auch noch Monate zu leben haben.
00:25:53: Die kommen hierher
00:25:54: um noch einen würdigen Lebensabend
00:25:55: zu haben.
00:25:56: Die brauchen aber auch eine sehr komplexe Versorgung, manche brauchen Sauerstoffgeräte, mancher haben Schmerzpumpen die ja auch elektrisch betrieben
00:26:03: sind.".
00:26:04: Seiler entscheidet das jetzt etwas passieren muss.
00:26:07: Seine vierzehn totkranken Hospizbewohner können unmöglich die Nacht abwarten.
00:26:13: Als er auf einem Balkon endlich Handyempfang hat wählt ihr die Einsenz zwei und stößt schon wieder auf ein Problem mit dem niemand gerechnet hat.
00:26:22: Die Situation war insgesamt für alle überfordernd.
00:26:27: Mehr Fragen als Antworten, das ist die Bilanz der ersten Stunden des Berliner Stromausfalls.
00:26:32: Wer kann helfen?
00:26:34: Wer ist zuständig?
00:26:35: Wie geht es weiter mit Walter Seiler und seinen Hospizgästen?
00:26:39: Doch eine Frage überwirbt alles!
00:26:42: Was ist los mit dem Stromnetz wenn durch einen einzigen Brand gleich hunderttausend Menschen im Dunkeln und Kalten
00:26:48: sitzen?!
00:26:49: Der Schaden war einfach immens... Darum geht's in der nächsten Folge.
00:26:59: Die nächste Folge von Hundertvier Stunden Blackout hört ihr am Freitag.
00:27:04: Mit einem Tagesspiegel-Abo könnt Ihr sie unter tagesspiegel.de slash black out schon jetzt hören!
00:27:10: Damit ihr keine Folge verpasst, abonniert hundert vier Stunden Black Out doch am besten auf eurer Podcastplattform.
00:27:17: Erzählt gern Freunden und Familie davon und lasst einen Kommentar und eine Bewertung für uns da.
00:27:22: Vielen Dank!
00:27:24: Wir freuen uns dass ihr bis hierher gehört habt.
00:27:26: wir wollen natürlich gerne von euch wissen Macht ihr euch Gedanken darüber, wie ihr auf Stromausfälle, Hitze oder andere Krisen vorbereitet seid?
00:27:33: Habt ihr Kurbelradius und Vorräte angeschafft?
00:27:37: Oder eher gar kein Plan.
00:27:39: Was sind eure Fragen zum Katastrophenschutz in Deutschland?
00:27:42: Und falls ihr in den betroffenen Blackout-Gebieten wohnt... Wie habt ihr den Stromausfall
00:27:46: erlebt?!
00:27:47: Wir wollen eure Fragen mit Experten in einer Zusatzfolge von hundertvier Stunden Blackout beantworten!
00:27:53: Schreibt uns einfach an podcastertagespiegel.de.
00:27:55: Einhundert
00:28:02: vier Stunden Blackout ist ein Podcast vom Tagesspiegel.
00:28:05: Recherche, Boris Buchholz Alexander Fröhlich Julius Geiler Sonja Gillard Christian Latz Sebastian Leber Kai Müller Anke Mürre Valeria Semenyuk und Carsten Wiedemann.
00:28:20: Skript Sonja Gillard und Julius Geiller.
00:28:24: Schnitt Elisabeth Kraft Hilda Löcker und Marvin Schwarz.
00:28:29: Produktion Sounddesign und Musik?
00:28:32: Marvin Schwarz.
00:28:34: Mitarbeit?
00:28:35: Hilda Lücker, Melanie Probandt, Sandra Schumann und Morten Wendzek.
00:28:40: Redaktion?
00:28:41: Sydney Gennis und Sonja Gillard.
00:28:44: Ein Dank geht an Laura Himmelreich, Murmad Abdi, Nassim Rath, Christina Plätt, Raissa Schreiner und Masha Fouquet.
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