Es brodelt im Untergrund – die Suche nach den Tätern (3/6)

Shownotes

An Tag 2 des Berliner Stromausfalls taucht ein Bekennerschreiben im Internet auf. Darunter ein Name: Vulkangruppe. Dahinter steckt eine der geheimnisvollsten militanten linksextremen Strukturen Deutschlands. In mehr als einem Dutzend Fällen wird gegen sie ermittelt, handfeste Spuren gibt es bislang kaum.

Als noch weitere Schreiben zum Anschlag auf das Stromnetz auftauchen, wird der Fall immer komplizierter. Anscheinend ist die Aktion in der Szene umstritten. Ist das jetzt die große Chance für die Ermittlungsbehörden, doch noch die Vulkangruppe zu fassen? 

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Recherche: Boris Buchholz, Alexander Fröhlich, Julius Geiler, Sonja Gillert, Christian Latz, Sebastian Leber, Kai Müller, Anke Myrre, Valeriia Semeniuk und Karsten Wiedemann
Skript: Sonja Gillert und Julius Geiler
Schnitt: Elisabeth Krafft, Hilda Lücker und Marvin Schwarz
Produktion, Sounddesign und Musik: Marvin Schwarz
Mitarbeit: Hilda Lücker, Melanie Probandt, Sandra Schumann und Morten Wenzek
Redaktion: Sidney Gennies und Sonja Gillert
Cover-Art: Manuel Kostrzynski Ein Dank geht an Laura Himmelreich, Muhammad Abdi, Cristina Plett, Nassim Rad, Raissa Schreiner und Mascha Fouquet

Für das Sounddesign des Podcast wurde teilweise unterstützend KI eingesetzt.

Transkript anzeigen

00:00:02: Tagesspiegel.

00:00:07: Lass es mal ein paar Meter weitergehen?

00:00:09: Wir können gerne noch für da runterkommen.

00:00:11: Wir sind zurück in der Kleingartensiedlung im Berlinlichter Felde, das ist der Ort an dem im Januar, alles begann.

00:00:20: Ach guck mal!

00:00:22: Am Samstag hier werden Zeugen gesucht gegen sechs Uhr wohne im Bereich der Bremer Straße brennende Starkstrunkabel festgestellt über den Telto-Kanal führen.

00:00:31: Die Brandfahrt suchte einen großen Stromausfall.

00:00:33: Überraschung wurden mutwillig im Brand gesetzt.

00:00:36: Können Sie sagten, die sich hier Angaben machen?

00:00:40: LKA-Fünf.".

00:00:44: Eine Million Euro Belohnung werden Ende Januar vom Bundeskriminalamt für entscheidende Hinweise auf die Brandstifter ausgesetzt – verkündet vom Bundesinnenminister höchstpersönlich!

00:00:54: Wir schlagen zurück und das ist auch der Grund warum wir dieses breite Maßnahmenpaket aufgesetzt haben und meine Bitte an die Öffentlichkeit ist daran mitzuwirken mit Hinweisen daran mitzuwirken, dass wir diese Täter, die Linksterroristen, die hier über hunderttausend Menschen in Mitleidenschaft gezogen haben, in Berlin zur Rechenschaft zu ziehen.

00:01:21: Der Stromausfall wird zu Chefsache – denn es geht dabei um mehr als nur ein Berliner Problem.

00:01:28: Eine Million Euro!

00:01:29: Das ist der höchste Betrag an der Geschichte des Bundeskriminalamtes.

00:01:34: Nicht einmal bei der Fahndung nach RAF-Terroristen wurde so viel Geld in Aussicht gestellt.

00:01:43: An Tag zwei des Stromausfalls taucht ein erster Hinweis auf, einen Bekenner schreiben!

00:01:48: Der Titel Den Herrschenden den Saft abdrehen.

00:01:52: Der Absender eine sogenannte Vulkangruppe.

00:01:58: Das haben die Ermittlungsbehörden schon oft gelesen mindestens dreizehnmal in den letzten fünfzehn Jahren.

00:02:05: Es handelt sich dabei um eine der wohlrätselhaftesten militanten, linksextremen Strukturen Deutschlands.

00:02:13: In dem Bekenner schreiben das am vierten Januar kursiert ist die Rede von einer gemeinwohl orientierten Sabotage-Aktion und es heißt weiter ...

00:02:33: An Tag zwei des Black Outs ist klar Das Gegenteil ist der Fall.

00:02:37: Menschen wie der Schwerkranke Andreas Thompson, ihr kennt ihn aus Folge eins dieses Podcasts haben den Stromausfall nur mit Glück überlebt.

00:02:46: Hilfsbedürftige sitzen in ihren eiskalten Wohnungen und können ohne Strom nicht einmal den Notruf erreichen.

00:02:53: Walter Seiler, der Geschäftsführer des Diakonie-Hospits in Wannsee, der vierzehn totkranke Menschen aus dem Hospiz evakuieren musste,

00:03:01: ist wütend –

00:03:02: ihn kennt ihr schon aus der letzten Folge!

00:03:04: Also keine Ahnung, ob einer der Verursacher diesen Podcast hört.

00:03:08: Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass man so was tun kann

00:03:11: aber

00:03:12: ich kann mir auch nicht vorstellen das man nicht soweit denkt.

00:03:15: was könnte denn meine Tat bewirken?

00:03:18: So in Menschenleben einzugreifen halte ich für unerhört und unfassbar.

00:03:25: Wer geht so weit und nimmt den Tod von Menschen leichtfertigen Kauf?

00:03:29: Und wieso stochert die Polizei seit fünfzehn Jahren im Dunkeln?

00:03:33: Darum Geht es in dieser Folge?

00:03:58: Und

00:04:02: ich bin

00:04:05: Sonja Gillard.

00:04:06: Das ist Folge drei, im Untergrund Brodel des.

00:04:10: Wer sind die Täter?

00:04:17: Vor vier Tagen ist da ausgebrochen der Vulkan auf Island mit dem schwer auszusprechen Namen.

00:04:23: Inzwischen legt seine Aschewolke halb Europa lahm.

00:04:26: Guten Abend, willkommen zum ARD-Brennpunkt.

00:04:30: Erinnert ihr euch an den Eya Fyakayokul?

00:04:33: Dieser isländische Vulkan hat es im April in einen ARD Brennpunkt geschafft.

00:04:40: Es spuckte so viel Asche über Island, dass mehr als hunderttausend Flüge am Boden bleiben mussten.

00:04:46: Selbst die damalige Kanzlerin Angela Merkel schaffte es nur über Umwege von einem US-Besuch zurück nach Berlin.

00:04:54: Das Ganze war ein wirtschaftliches Desaster!

00:04:57: Doch für einige deutsche Linksextremisten ist der unaussprechliche Vulkan ein Vorbild.

00:05:02: Ein Ereignis, das ein riesiges System fundamental stört.

00:05:08: Es steht zum ersten Mal Volkangruppe unter einem Bekenner schreiben.

00:05:17: Kurz zuvor brennt eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz.

00:05:22: Doch bevor wir weiter über diese Vulkangruppen sprechen noch einmal einen Schritt zurück!

00:05:28: Denn als erstes stellt sich am vierten Januar die Frage, ist das bekennerschreiben überhaupt echt?

00:05:34: Mein Kollege Sebastian Leber hat es sich genau angeschaut.

00:05:37: Er recherchiert für den Tagesspiegel zu Extremismus.

00:05:41: Es sind viele falsche Bekennerschreiber im Umlauf.

00:05:43: Die kann ja jeder Troll verschicken.

00:05:45: Umso wichtiger ist es dann zu prüfen ob die Täter in ihrem Schreiben sogenanntes Täterwissenpreis geben Also Details nennen, die noch nicht in den Nachrichten waren.

00:05:55: Nur derjenige kennen kann, wer wirklich weiß wovon er spricht.

00:05:58: In unserem Fall schreibt die Vulkangruppe zum Beispiel dass man die angeschmorten Kabelstränge mit herumliegenden Stahlstangen zusätzlich kurz geschlossen habe und vier Baustellenspieße seien zum Einsatz gekommen.

00:06:12: Der Startschutz des Berliner Landeskriminalamtes Die Ermittlungsgruppe Spannung kommt zu dem Schluss.

00:06:18: das Schreiben ist authentisch also wieder einmal die Vulkan Gruppe.

00:06:24: Doch ganz so einfach ist das nicht, sagt Sebastian.

00:06:53: Wirklichen Veränderungen führt, also zum Beispiel nicht den Klimawandel stoppt.

00:06:58: Und diese Menschen fühlen sich so hilflos, dass sie dann denken wir brauchen Militanz und Gewalt.

00:07:04: Diese Gewalt begreifen sie auch als Akt der Notwehr, was natürlich Quatsch

00:07:07: ist.".

00:07:09: Dreizehn Taten in Berlin und Brandenburg werden mit Vulkangruppen in Verbindung gebracht

00:07:14: – alles

00:07:15: Brandanschläge auf kritische Infrastruktur.

00:07:21: Ein Brandsatz entzündet eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz.

00:07:26: Der Bahnenverkehr in Teilen der Hauptstadt steht still, und im Jahr ist ein starkes Stromkabel in Berlin-Charlottenburg.

00:07:33: Wieder bekennt sich eine Vulkangruppe.

00:07:36: Sechstausend Fünfhundert Haushalte sind stundenlang ohne Strom und einen Sachschaden in Millionenhöhe entsteht.

00:07:43: Im Jahr ist es ein Anschlag auf Stromkabeln, die die Baustelle der Tesla-Fabrik in Brandenburg versorgen.

00:07:50: In den letzten Jahren brennt ein Strommast.

00:07:52: Diesmal steht in der Folge die Produktion der Tesla-Fabrik ganz still, fast eine Milliarde Euro soll der Schaden für den E-Auto-Bauer betragen.

00:08:01: Zuletzt unterschreibt eine Vulkangruppe im Mai im Jahr einen Bekenner.

00:08:06: Sie bekennen sich zum Brand an einem Trafohäuschen und einer Funkmasternlage in Berlin Dalem.

00:08:12: Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten, heißt es in ihrem

00:08:15: Schreiben.".

00:08:17: Und dann ist da noch der Anschlag vom September.

00:08:20: zweitausendfünfundzwanzig.

00:08:21: Ein Brand legt den Berliner Technologipark Atlas Hoflam, den größten Technologiepark Deutschlands.

00:08:28: Der Verlust für die Unternehmen dort wird auf dreißig bis siebzig Millionen Euro geschätzt.

00:08:33: Ob die Tat mit einer Vulkangruppe in Verbindung steht, ist unklar – doch auch in diesem Fall werden die mutmaßlichen Täter im Linksextremen-Milieu verortet!

00:08:44: Der wirtschaftliche Schaden trifft nicht nur große Unternehmen Er trifft auch ganz normale Menschen, wie Dick Hülbig.

00:08:51: Für die wird es schnell

00:08:52: existenziell.".

00:08:54: Beim Stromersfall geht's um seine Lebensgrundlage.

00:08:57: Er betreibt den Restaurant in Schlachtensee – das Café Schlacht!

00:09:01: Eigentlich serviert er hier Schnitzel mit Erdäpfelsalat oder Bratkartoffeln.

00:09:04: Doch Anfang Januar bleibt die Küche dunkel und kalt.

00:09:08: Mit viel Glück hat Hülbig ein Stromgenerator ergattert.

00:09:12: Wir haben sozusagen

00:09:13: zwei TK-Tunen

00:09:15: überbrücken können damit,

00:09:16: dass wir so die sehr teure Ware retten können.

00:09:20: Die Tiefkühlgeräte laufen immerhin.

00:09:22: Hülbiks Restaurant ist eines der wenigen, die mit etwas Notstrom und Kerzenlicht während des Stromausfalls öffnen.

00:09:28: Wir konnten über ein Gasherd kochen aber auch nur

00:09:30: Kleinigkeiten

00:09:31: weil wir halt die Abluft nicht ins Laufen bekommen haben

00:09:34: Und haben dann tagsüber einfach so angeboten was wir haben mitten konnten also

00:09:37: Kuchensuppen

00:09:39: heiß getränke Also Filterkaffee.

00:09:40: leider denn

00:09:42: Ein paar Nachbarn kommen vorbei, darunter auch einige die aus Angst vor Einbrüchen in ihren kalten Wohnungen bleiben.

00:09:49: Doch für Hülbig ist es ein Verlustgeschäft.

00:09:51: Lange könnte er so nicht durchhalten.

00:09:54: Aber eigentlich nach zwei Wochen sollte schon wieder laufen oder?

00:09:57: Ja, nach zwei

00:09:58: wochen wird's wirklich eng.

00:10:02: Viele werden sagen einen linksextreme Anschlag auf die Stromversorgung typisch Berlin.

00:10:08: aber is das wirklich so ... Um das herauszufinden, haben wir bei den Landeskriminalämtern der einzelnen Bundesländer angefragt.

00:10:16: Wir wollten wissen wie viele politisch motivierte Angriffe auf die Energieversorgung wurden in den vergangenen zwei Jahren gemeldet.

00:10:24: Absurderweise stufen die Bundesländern diese Information als unterschiedlich sicherheitsrelevant ein.

00:10:31: Während einen Teil der Behörden diese Zahlen als Verschlusssache behandelt bekommen wir beispielsweise von Hamburg und Nordrhein-Westfalen detaillierte Angaben.

00:10:40: In NRW werden im Jahr ist es im Jahr zwanzig, von den zweihundertdreiundachtzig gemeldeten politisch motivierten Straftaten auf Energieversorgungsbetriebe alle Taten auf das linke Spektrum zurückgeführt.

00:10:53: Auch in dem Jahr zweitausendfünfundzwanzig trifft das bei den vorläufigen Zahlen in NRW auf einen Großteil zu!

00:11:00: Einige Wochen nach dem Stromausfall in Berlin warnt der Bundesverfassungsschutz sogar ganz gezielt Energieversorger vor linksextremistisch motivierten Angriffen.

00:11:10: Unser Kollege Sebastian ordnet das Ganze so ein...

00:11:30: Elftausend von denen auch gewaltorientiert sind.

00:11:35: Der Terrorismus- und Extremismusforscher Peter Neumann sieht Verbindung zwischen den unterschiedlichen Linksextremen Gruppierungen in den Bundesländern.

00:11:44: Alle Anschläge,

00:11:45: die von der Vulkangruppe durchgeführt wurden, wurden in Berlin-Brandenburg durchgeführt.

00:11:50: Aber es gibt natürlich Hinweise

00:11:51: darauf, dass es z. B. Nordrhein-Mesphalen

00:11:54: ähnliche Gruppen gibt,

00:11:55: die sich anders nennen,

00:11:56: aber die

00:11:57: ähnlichen Anschlägen durchführen

00:11:58: und aus einem

00:11:59: ähnlichem

00:12:00: Milieu kommen

00:12:01: und die zum Beispiel auch

00:12:02: auf ähnlicher Handdücher

00:12:03: zurückreichen bei der Organisation unter Durchführung ihrer

00:12:06: Anschläge.".

00:12:08: Ein solcher Anschlag habe immer zwei Ziele – er sende eine Botschaft an den Staat Aber auch an die eigenen Anhänger.

00:12:16: Schaut her,

00:12:17: es geht!

00:12:18: Es ist was im Gange, eine Revolution

00:12:20: ist im Ganges.

00:12:21: Wenn wir nur weitermachen an ganz vielen

00:12:23: unterschiedlichen

00:12:24: Stellen dann bricht

00:12:24: dieses System möglicherweise zusammen.

00:12:29: Doch der Anschlag im Januar scheint die linksextreme Szene zu spalten In den Blackout-Tagen und danach tauchen weitere Schreiben von Vulkangruppen auf.

00:12:38: Eine selbsternannte Ursprungsgruppe aus dem Jahr zeichnet sich zu Wort.

00:12:44: Die Texte und Aktionen der letzten Jahre stammen nicht von uns.

00:12:49: Die Ermittler halten diese Schreiben ebenfalls für authentisch, die Absender distanzieren sich vom jüngsten Anschlag.

00:12:55: Wir wollten Unterbrechung – Nichteskalation Störungen von Normalität – Nichtzerstörung.

00:13:02: Es ging um Sichtbarkeit von Verantwortung, nicht um moralische Überhöhung oder eine Logik der permanenten Sabotage.

00:13:09: Und da wird deutlich, dass zumindest ein Teil der Menschen die in den Anfangsjahren als Vulkangruppe aktiv waren.

00:13:15: Dass diese Leute die späteren Anschläge und vor allem den Jüngsten in Berlin rigorous ablehnen.

00:13:20: In ihrem Schreiben machen sie deutlich, das sie so etwas unverantwortlich fänden.

00:13:23: Vor allem in Zeiten der Bedrohung durch Russland.

00:13:26: Sie argumentieren, dass in diesen Zeiten jeder Infrastrukturangriff zum Teil einer allgemeinen Distabilisierung würde.

00:13:36: Um in einer solchen Krise Destabilisierung zu verhindern benötigt es Vorbereitung.

00:13:41: All jene, die im kalten und dunklen sitzen, brauchen schnell Information – müssen sehen und spüren, die Verantwortlichen haben alles

00:13:49: im

00:13:49: Griff.".

00:13:50: Das weiß auch die Berliner Politik!

00:13:53: Bevor wir wieder zu den mutmaßlichen Tätern kommen, machen wir deshalb einen kurzen Ausflug in eine Notunterkunft im Coldsport-Center.

00:14:00: Dort versucht Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegener von der CDU an Tag zweite Stromausfall den Eindruck zu vermitteln, er habe alles im Griff.

00:14:10: Für elf Uhr ist eine Pressekonferenz angesetzt – auch Berlins sozialdemokratische Insenatorin Iris Spranger die in so einem Krisenfall auf Seiten des Senats zuständig ist und die Energie- und Wirtschaftssenatoren Franziska Giffey vom SPD sind zu der Notunterkunft gekommen.

00:14:26: Christian Latz, Leiter des Landespolitikbüros des Tagesspiegels ist ebenfalls vor Ort.

00:14:32: Es war wirklich eiskalt, waren vielleicht minus sieben Grad am Morgen.

00:14:36: Ich war seit den Frühmorgens schon unterwegs in dem betroffenen Gebiet und musste mich immer wieder ins Auto setzen und die Heizung auftreten.

00:14:43: Bevor die Pressekonferenz beginnt wollen sich die Politiker ein Bild der Lage machen.

00:14:47: In der Unterkunft ist wenig los – alles entspannt!

00:14:51: Doch dann kippt die Stimmung.

00:14:54: Der ganze Presse-Tross ist dann mit Kai Wegener und ihres Spranger in die Halle reingegangen.

00:14:58: Info je sind wir dann einem pflegebedürftigen Mann im Rollstuhl begegnet, er hatte eine Decke bis zu den Schultern und konnte sich selbst kaum äußern.

00:15:05: Nehmt ihn wahr?

00:15:06: aber ein anderer Mann und der war ziemlich wütend.

00:15:09: Wie so schlägt so einen Mann

00:15:10: eine Nacht in dem Halt?

00:15:11: In dieser Halle!

00:15:12: Die hat einen hohen Pfleger

00:15:14: gehabt.

00:15:14: Nur auf dem Auto mit der

00:15:16: Achtzig.

00:15:17: Was ist los hier?

00:15:18: Wegener, Spranger und die Feuerwehr reden beruhigend auf den Mann ein.

00:15:22: Der Feuerwehrsprecher schafft es dann, ihn etwas zu beschwichtigen.

00:15:28: Doch das war erst der Anfang!

00:15:30: In der Turnhalle sind die meisten Feldbetten leer.

00:15:32: Die Regierende und die Insenatoren reden mit einer Frau.

00:15:36: Sie ist siebenundneinzig Jahre alt und liegt gut zugedeckt auf einem provisorischen Bett.

00:15:40: Neben ihr steht ihr Sohn – doch er ist wenig erfreut und stellt Wegner aufgebracht Fragen.

00:15:46: Warum wird mal so eine Person wie meine Mutter hierhergebracht?

00:15:49: Mit fast

00:15:51: hundert Jahren, mit pflegestufen vier auf dem Feldwirt.

00:15:54: Das ist für mich

00:15:55: im Draht.

00:15:57: Der verärgerte Mann ist Karsten Esser ein Malermeister aus Langchwitz.

00:16:02: Hallo Esser!

00:16:06: Grüßgeiler werden noch telefoniert und schrieben Dankeschön.

00:16:10: Wir wollen wissen was an dem Sonntag los war und besuchen ihn ein paar Wochen später zu Hause.

00:16:15: Esser erinnert sich zurück Die Pflegerin seiner Mutter habe am Blackout-Wochenende morgens bei ihm angerufen, denn die Heizung wurde nicht warm.

00:16:46: Essers Mutter hat Pflege grad vier.

00:16:49: Sie kann sich nicht mehr eigenständig anziehen, essen und bewegen.

00:16:53: Esser telefoniert deswegen am dritten Januar viele Pflegeheime ab, versucht sie so im Warmen unterzubringen.

00:17:00: Doch immer wieder hört er dasselbe.

00:17:01: Da ist es Pflegeheimenein, das können wir aus versicherungstechnischen Gründen nicht machen.

00:17:06: die Schäffeln sind nicht da und wir können es nicht entscheiden und das finde ich also auch ein bisschen halber.

00:17:13: Im Auto mitfahren, kann Essers körperlich stark eingeschränkte Mutter nicht mehr.

00:17:17: Ein Krankenwagen ist nötig!

00:17:19: Er ruft die Feuerwehr.

00:17:21: Da wurde mir gesagt, Hüttenweg forty-three, aber wer weiß was Hüttingweg forty three ist?

00:17:27: Ich habe nicht geahnt dass eine Sporthalle ohne bindeten Klo ist.

00:17:32: Statt in einer Pflegeeinrichtung wird Essers Mutter ohne sein Wissen in der Notunterkunft im Cole Sports Center untergebracht.

00:17:38: Er möchte sie zu sich holen und besorgt deswegen die nötigsten Sachen aus ihrer Wohnung.

00:17:43: In der Turnhalle hätten sich die Helfer immerhin sehr gut um Sie gekümmert.

00:17:47: Aber die haben keinen Krankenwagen bekommen, keinen kranken Transport zu mir in die Wohnung!

00:17:52: Haben sie nicht bekommen?

00:17:54: Die siebenundneunzig-Jährige muss in der Halle übernachten.

00:17:57: Deswegen ist Esser am Sonntagmorgen wieder im Colesport Center – in dem Moment als Kai Wegener zur Besuch kommt.

00:18:07: Ein kurzer Hinweis in eigener Sache An diesem Podcast haben viele Journalistinnen des Tagesspiegels mitgearbeitet.

00:18:14: Solche Recherchen sind Teamarbeit und brauchen Zeit und Ressourcen.

00:18:19: Wenn ihr tiefgehenden und unabhängigen Journalismus unterstützen möchtet, dann könnt ihr das mit einem Tagessbiegel-Abo machen.

00:18:27: Damit ermöglicht Ihr Podcasts wie diesen – und ihr hört als Abonnenten die nächste Folge von hundert vier Stunden Blackout schon eine Woche früher!

00:18:36: Mehr Infos findet ihr unter tagespiegel.de slash Podcast-Abo und natürlich in den Shownotes, wo genau man im schlimmsten Fall auf einem Feldbett übernachten oder einfach nur das Handy laden kann – solche Informationen braucht es vor und nicht erst

00:18:58: in der Krise!

00:18:59: Doch diese Infos fehlen Anfang Januar in Berlin Steglitz-Zehlendorf Und so suchen einige Menschen statt in Notunterkünften in den Notaufnahmen von Berliner Krankenhäusern nach Hilfe.

00:19:11: In Zählendorf hat sich an Tag zwei des Stromausfalls immerhin rumgesprochen, dass man sich auch im Rathaus aufwärmen kann.

00:19:17: Menschen sitzen im Holz vertefelten Bürgersaal zusammen andere schlafen auf Feldbetten Auf den Fluren gibt es zeitweise kein Durchkommen mehr.

00:19:26: Schätzungsweise fünfhundert Betroffene sind da.

00:19:29: Der grün.

00:19:30: Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg ist das noch gut um Gedächtnis.

00:19:34: Das war psychologisch glaube ich eine ganz wichtige Situation Um über diese ganze Zeit nicht zu verzweifeln.

00:19:40: Ich habe auch Im Nachhinein auch mit Menschen gesprochen, die gesagt hat wir sind dann tagsüber ins Rathaus und abends weil wir unser Haus nicht alleine lassen wollten oder unsere Wohnung wieder in die Wohnungen haben dort die Nacht verbracht.

00:19:55: Handys, Laptops, Taschenlampen alles Mögliche wird geladen.

00:19:59: Gleichzeitig wird im Laufe des Tages deutlich das historische Gebäude ist nicht für so großen Andrang ausgelegt.

00:20:06: Die Menschen haben ja zu Recht, war ja auch richtig so.

00:20:09: Unter anderem auf ihre Wasserkocher mitgebracht und uns flog mehrfach die Sicherung raus weil hier jede Steckdose mit Mehrfachsteckern belegt war und das hält unser System nicht aus und wir mussten dann tatsächlich verbieten dass die Leute Wasserkocher anschließen.

00:20:26: Hilfsorganisationen und Sportvereine sind auch vor Ort verteilen essen und heiße Getränke.

00:20:32: doch Schälenberg macht sich langsam Sorgen wie es am nächsten Tag ein Montag weitergehen soll.

00:20:37: Die Hilfsorganisationen haben mir gesagt, wir kommen erstens an unsere Grenzen und zweitens ich habe meine Ehrenamtlichen jetzt hier noch am Sonntag aber spätestens um null Uhr ist vorbei und dann müssen die morgen wieder arbeiten

00:20:52: gehen.".

00:20:54: Die Lösung von Schellenbergs Problem ist eine Großschadenslage – eine Regelung im Katastrophenschutzgesetz.

00:21:01: Wenn die Großschadenslage ausgerufen wird, dann können ehrenamtliche Helfer von ihren hauptamtlichen Berufen freigestellt werden.

00:21:08: Doch die Bezirksbürgermeisterin kann in einem solchen Fall nicht selbst handeln – das muss die Insenatorin machen!

00:21:15: Es ist ein Bekenntnis auch letztlich der Szenar zu sagen ja wir müssen jetzt mal anders handeln und arbeiten.

00:21:21: Also drofern ist schon ein wichtiger Schritt.

00:21:24: So ordnet Albrecht Brömme, der Katastrophenexperte und frühere THW-Präsident die Lage ein.

00:21:30: Am Sonntagmittag ist dieser Schritt allerdings noch nicht geschehen.

00:21:34: In den folgenden Wochen wird das noch für Diskussionen

00:21:36: sorgen.".

00:21:38: Im Katastrophenfall kann ein Land auch beim Bund um Unterstützung bitten, Das technische Hilfswerk und die Bundespolizei sind am Sonntags im Berlin bereits im Einsatz.

00:21:48: Als nächstes könnte die Bundeswehr aktiviert werden.

00:21:51: Auch diese Option wird am Sonnstag diskutiert.

00:21:54: Sie könnte zum Beispiel bei der Betankung von Notstrom-Aggregaten helfen.

00:21:58: Für Albrecht Brömme ist das ein Indiz dafür, wie schlecht man auf so einen Stromausfall vorbereitet war.

00:22:05: Die Frage ist Betankungen?

00:22:06: Hätte man natürlich auch sagen können, habt ihr mal mit irgendeinem Heißöl-Differenten gesprochen, ob dir es um Dachs fahren kann!

00:22:15: Der tagelange Stillstand – die Gefahr für die Schwächsten, die sich am Sonntag immer weiter offenbart – genau darüber diskutiert man in den Blackout-Tagen im linksextremen Milieu.

00:22:25: Die frage ist, könnten die Ermittler von diesen Unstimmigkeiten profitieren?

00:22:29: Sebastian ist skeptisch.

00:22:51: Hinweise

00:22:57: auf die mutmaßlichen Täter bekommt das Bundeskriminalamt viele.

00:23:01: Auf Tagesspiegel-Anfrage ist die Rede von einer mittleren, dreistelligen Zahl an Hinweisgebern.

00:23:07: Die eine Million Euro scheint da zu helfen – doch zugleich hört man von der Ermittlergruppe Spannung.

00:23:12: lange nichts!

00:23:16: Zweinheit Monate nach dem Stromausfall tut sich plötzlich etwas.

00:23:19: Am vierentzwanzigsten März erreicht mich morgens die Nachricht Ratia in Berlin nach Stromanschlag.

00:23:24: Rund fünfhundert Polizisten sind ab etwa sechs Uhr im Einsatz in Düsseldorf, Hamburg im Brandenburgischen Küritz und Berlin.

00:23:32: Die Beamten durchsuchen siebzehn Orte der Linksextremszene – auch vor einer sogenannten anarchistischen Bibliothek in Kreuzberg stehen Polizeiwagen.

00:23:40: Handys, Laptops und Unterlagen werden sichergestellt.

00:23:44: Wir waren vor Ort.

00:23:45: natürlich haben die Maßnahmen hier in Berlin als Polizei

00:23:48: natürlich federführend durchgeführt.

00:23:52: Das ist Martin Strahlau, der Sprecher der Berliner Polizei.

00:23:56: Es gibt also doch Spuren zu mutmaßlichen Brandstiftern aus der Linksextremszene.

00:24:01: Gegen vier Personen im Alter zwischen achtundzwanzig und dreißig Jahren wird ermittelt.

00:24:06: Allerdings geht es um den Brandanschlag auf Strommasten in Berlin-Adlers Hof, im September zweitausendfünfundzwanzig.

00:24:13: Es zeigt sich – das kann man glaube ich sagen

00:24:15: – dass

00:24:16: es sich aushalt,

00:24:17: beharlig und mit

00:24:19: großer Expertise zu ermitteln, dass man dann am Ende

00:24:21: auch vielleicht

00:24:22: so einem

00:24:22: Ergebnis kommt.

00:24:24: Doch festgenommen wird dem März niemand.

00:24:27: Haftbefehle können nur bei einem dringenden Tatverdacht und mit entsprechenden Beweisen erlassen werden.

00:24:33: Von den Laptops und anderen Datenträgern, die beschlagnahmt wurden, erhofft man sich jetzt auch Hinweise auf den Anschlag vom

00:24:40: Januar.".

00:24:42: Aber wie kann die Suche nach den mutmaßlichen Tätern einer Vulkangruppe über fünfzehn Jahre ohne Ergebnis bleiben?

00:24:50: Sebastian Leber verwundert das nicht!

00:24:53: In Ermittlerkreisen ist es jetzt keine Riesenüberraschung, dass die Ermittlungserfolge so sperrlich sind.

00:24:57: Das liegt im Wesentlichen daran, dass Täter in diesem Milieu sehr klandestin vorgehen also vorsichtig und konspirativ.

00:25:04: Die Kommunikation erfolgt am liebsten analog Also nicht über Smartphone wenn überhaupt über Signal Und um überhaupt in diese Szene zu gelangen braucht das Menschen die einfach trauen die also für einen Bürgen.

00:25:15: Es ist nicht unmöglich für Mittler sich dort einzuschmuggeln.

00:25:17: aber es ist kompliziert.

00:25:18: man könnte sagen Diese Überzeugungstäter die wissen wie man sich polizeiliche Überwachung entzieht.

00:25:30: An Tag zwei des Stromausfalls gibt es Nachmittags im Rathos-Zehlendorf Erleichterung.

00:25:36: Die Innensenatorin ruft die Großschadenslage aus, die ehrenamtlichen Helfer sind ab sofort von ihrer hauptamtlichen Arbeit befreit.

00:25:44: Und dieser Schritt, dass wirklich alle Hilfsorganisationen das Landes damit eingebunden werden müssen und zur Verfügung stehen müssen ... Das hätte uns

00:25:56: früher

00:25:57: deutlich mehr Sicherheit gegeben.

00:26:16: Am Sonntagabend sehen außerhalb der Stromausfallgebiete immer mehr Menschen auf Social Media-Plattformen, auf Telegram und TikTok ein Video.

00:26:24: Es zeigt eine echte Szene von Sonntagmittag aus der Sporthalle am Hüttenweg.

00:26:29: Ihr erinnert euch!

00:26:42: Allerdings verändert sich der Kontext, die Szene aus der Notunterkunft kursiert auch in populistischen Kreisen.

00:26:48: Das Video wird geteilt mit dem Tenor.

00:26:51: Berlin bringt Flüchtlingen in Hotels unter während alte und schwache Deutsche auf Feldbetten in Turnhallen schlafen müssen.

00:26:58: Immer wieder ist auch Karsten Esser, in diesen Videos zu sehen wie er neben seiner siebenundneunzigjährigen Mutter in der Notunterkunft steht.

00:27:05: Da möchten wir uns weit abdistanzieren.

00:27:08: das kommt nicht von uns und das eben total unmöglich.

00:27:12: eigentlich müsste man die sogar anzeigen weil es sind wir praktisch verfälscht wiedergegeben.

00:27:19: Am Sonntagabend verbreitet sich dann noch ein Gerücht.

00:27:22: In sozialen Netzwerken kursieren Beiträge, in denen behauptet wird, dass das Bekennerschreiben aus dem Russischen übersetzt worden sei.

00:27:28: Zum Beispiel seien die Namen des amerikanischen Vizepräsents und der Berliner Senatoren Giffey falsch geschrieben Und dann wird diskutiert ob das die kurilische Umschrift ist

00:27:38: Der Anschlag eine russische False-Fleck-Aktion?

00:27:42: Es ist ein Gerücht, das in diesen Zeiten so plausibel ist, dass es fast stimmen könnte Um diese unbelegte Spekulation und um die Frage, wie feindliche Staaten unserer Energieversorgung tatsächlich bedrohen?

00:27:55: Darum geht es in Folge vier dieses

00:27:56: Podcasts.

00:28:04: Was sind eure Fragen zum Katastrophenschutz in Deutschland?

00:28:24: Die wollen wir hier im Podcast beantworten, zusammen mit Experten.

00:28:28: Schreibt uns an podcastetagespiegel.de

00:28:32: Damit ihr keine Folge verpasst, abonniert hundertvier Stunden Blackout auf eurer Podcastplattform.

00:28:37: Erzählt euren Freunden davon und lasst gern ein Kommentar oder eine Bewertung da!

00:28:54: Julius Geiler, Sonja Gillert Christian Latz Sebastian Leber Kai Müller Anke Mürre Valeria Semenyuk und Karsten Wiedemann.

00:29:05: Skript Sonja Gillert und Julius Geiller.

00:29:09: Schnitt Elisabeth Kraft Hilda Lücker und Marvin Schwarz.

00:29:14: Produktion Sounddesign und Musik Marvin Schwarz Mitarbeit Hilda Löcker Melanie Proband Sandra Schumann und Morten Wendzeck, Redaktion Sydney Gennis und Sonja Gillard.

00:29:28: Ein Dank geht an Laura Himmelreich, Murmad Abdi, Nassim Rath, Christina Plätt, Raissa Schreiner und Masha Fouquet.

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