Was bleibt vom Blackout? Ihr fragt, wir antworten (6/6)
Shownotes
Müssen wir jetzt tatsächlich alle Prepper werden? Der Stromausfall hinterlässt zahlreiche Fragen an Politik und Bevölkerung. Was hat sich seitdem Januar-Blackout bei Katastrophenschutz und Krisenvorsorge getan? Und wie habt ihr den Stromausfall erlebt? In der finalen Podcastfolge beantworten wir zusammen mit Experten eure Fragen und wollen wissen, ob wir für die Zukunft besser vorbereitet sind. Denn eins ist sicher: Der nächste Blackout kommt bestimmt.
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Recherche: Boris Buchholz, Alexander Fröhlich, Julius Geiler, Sonja Gillert, Christian Latz, Sebastian Leber, Kai Müller, Anke Myrre, Christoph Papenhausen und Karsten Wiedemann
Skript: Sonja Gillert und Julius Geiler
Schnitt: Elisabeth Krafft, Hilda Lücker und Marvin Schwarz
Produktion, Sounddesign und Musik: Marvin Schwarz
Regie: Myriel Desgranges
Mitarbeit: Hilda Lücker, Melanie Probandt, Sandra Schumann, Myriel Desgranges und Morten Wenzek
Redaktion: Sidney Gennies und Sonja Gillert
Cover-Art: Manuel Kostrzynski
Ein Dank geht an Laura Himmelreich, Muhammad Abdi, Cristina Plett, Nassim Rad, Raissa Schreiner und Mascha Fouquet
Für das Sounddesign des Podcast wurde teilweise unterstützend KI eingesetzt.
Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:07: In dieser Folge von hundertvier Stunden Blackout geht es um euch, unsere Hörerinnen und Hörern.
00:00:13: Es geht um eure Erfahrungen während des Blackouts.
00:00:16: Eure Mails und Kommentare haben uns gezeigt dass diese Ausnahmesituation Anfang Januar bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.
00:00:26: Natürlich beantworten wir auch mit Experten eure Fragen rund um die große Krise Und wir blicken darauf was sich in der Zwischenzeit im Katastrophenschutz und der Krisenvorsorge in Deutschland getan hat.
00:00:38: Denn nicht nur uns beschäftigt das Thema
00:00:40: weiter.".
00:01:15: Eis, verschneite Straßen minus gerade.
00:01:30: Das war das Wetter in Berlin während des Stromausfalls im Januar und darüber haben wir hier im Podcaststudio des Tagespiegels in den letzten Wochen viel gesprochen über diese eiskalten Temperaturen.
00:01:42: Wenn man allerdings unser Studiofenster hinter mir hinter dem Vorhang mal aufmacht dann hört ihr vielleicht es ist mittlerweile Frühling fast Sommer dass viele Wohnungen Anfang Januar dunkel und eiskalt waren Das kann ich mir gerade kaum noch vorstellen.
00:01:58: Okay, machen wir erst mal das Fenster wieder zu will ich vorschlagen.
00:02:01: Ist nicht dass unser Sound ganz furchtbar wird und den Vorhang wieder zurück?
00:02:04: Bei den Recherchen, Julius haben wir auch immer wieder gehört.
00:02:07: Ja die Kälte ist das Dramatische jetzt im Januar und macht den Stromausfall wesentlich schlimmer als wenn jetzt an so einem angenehmen ein-zwanzig Grad Tag in Berlin der Strom ausfallen würde.
00:02:18: Julius zum Start du hast ja dazu recherchiert.
00:02:21: wäre denn ein Blackout jetzt im Frühsomersommer tatsächlich weniger schlimm weil keiner frieren muss?
00:02:28: Das kommt so ein bisschen drauf an.
00:02:30: Also zum einen würden natürlich ähnliche Probleme auftreten wie damals im Winter, weil unser Alltag nun mal vom Strom abhängt.
00:02:38: Natürlich wäre es aber im Gegensatz dazu abends länger hell und niemand müsste frieren.
00:02:44: Dafür würde es unter Umständen extrem heiß werden und damit viel zu heiß für die Menschen vor allem für Ältere
00:02:51: z.B.,
00:02:52: wenn die Klimaanlagen ausfallen.
00:02:54: Ein anderes großes Problem, Kühlschränke funktionieren nicht mehr.
00:02:58: Das war natürlich im Januar auch so aber viele Privatleute haben damals ihr Essen einfach auf dem Balkon gestellt um es zu kühlen.
00:03:05: Im April twenty-fünfundzwanzig gab es einen großen landesweiten Stromausfall in Spanien.
00:03:11: der hat achtzehn Stunden gedauert und dort hat man gesehen das kann in der Lebensmittelindustrie zu riesigen Schäden und vor allem auch finanziellen Verlusten führen.
00:03:20: etwa eins Komma sechs Milliarden Euro Anlebensmitteln sollen durch diesen Stromausfall vernichtet worden sein.
00:03:30: Das heißt, egal ob im Winter oder Sommer ein solcher lang andauernder Stromausfall hat in jeder Jahreszeit seine Gefahren und wie der Berliner Blackout gezeigt hat betrifft einen Stromaus Fall besonders Menschen die ohnehin schon verletzlich sind darunter wir auch im Podcast gehört haben oft ältere oder menschen mit schweren Erkrankungen
00:03:51: Aber eben auch eine Gruppe, über die wir in diesem Podcast bisher gar nicht gesprochen haben.
00:03:57: Kinder!
00:03:58: Darauf hat uns Stefan Jung vom Deutschen Roten Kreuz Berlin Südwest aufmerksam gemacht.
00:04:03: Diese Organisation betreibt das Elisabeth-Weißgeheim.
00:04:07: Dort leben vierzig Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen Autismus Und teilweise auch mit körperlichen Einschränkungen.
00:04:14: Als der Strom ausfiel waren zum Glück noch einige von ihnen im Weihnachtsurlaub.
00:04:19: Die Kinder und Jugendlichen, die im Heim waren zu dem Zeitpunkt, saßen aber so richtig im Dunkeln.
00:04:26: Zumindest gingen die elektrischen Rollläden überhaupt nicht mehr hoch.
00:04:30: Wir haben von der Leiterin der Unterkunft Franziska Paatsch eine Sprachnachricht bekommen in der sie sich an die Tage zurück erinnert.
00:04:38: Unsere Kinder, die hier wohnen, großen Bedarf an Sicherheit und Routine und Verlässlichkeit, die komplett weggebrochen ist in diesen Tagen.
00:04:46: Das hat zu vielen emotionalen Zusammenbrüchen gewührt und auch noch die große Sorge werden wir hier bleiben
00:04:53: können.".
00:04:54: Letztlich sind die Kinder- und Jugendlichen in dem Heim geblieben bis der Strom nach vier Tagen wieder da war.
00:04:59: Dabei haben sie sehr viel Hilfsbereitschaft erlebt schon an Tag eins.
00:05:04: Wir hatten bereits warmes Wasser geliefert bekommen, wir hatten bereits Walkytorkies damit die Kollegen im Haus sich miteinander verständigen konnten.
00:05:13: Auch dadurch ist ein Gefühl entstanden von wir werden hier nicht allein gelassen und alle arbeiten gerade so gut sie können daran gemeinsam einen guten Weg in dieser Situation zu finden den wir ja alle nicht hatten.
00:05:24: niemand war auf diese Situation vorbereitet.
00:05:28: Franziska Patsch und ihre Kolleginnen haben irgendwann kurzerhand versucht, aus der Lage eine Art Abenteuer für die Kinder zu machen.
00:05:35: Sie haben Taschenlampen in ihrem Umfeld gesammelt, sich selbst mit Stirnlampen ausgestattet und sind mit Humor- und Flexibilität auf die Bedürfnisse und Ängste der Kinder eingegangen.
00:05:45: Um im Heim bleiben zu können, haben sie einen der Räume mit einem mobilen Heizgerät ausgestattert.
00:05:51: Eine Evakuierung wäre für die Bewohnerinnen und Bewohner nämlich sehr schwierig gewesen.
00:05:58: In den Nachrichten von euch und in den Gesprächen, die wir während unserer Recherche geführt haben wurde immer wieder deutlich.
00:06:04: Selbst
00:06:05: wenn es für die meisten Menschen zum Glück nicht um Leben und Tod ging hat der Stromausfall Ängste ausgelöst.
00:06:11: Das berichtet auch unsere Hörerin Britta.
00:06:14: Sie hat sich entschieden auch ohne Strom zu Hause zu bleiben weil sie ihre beiden Katzen nicht alleine lassen wollte.
00:06:21: Als am schlimmsten habe ich die Dunkelheit empfunden.
00:06:23: Viele Nachbarn sind weggegangen und erstellte sich ein unangenehmes Gefühl ein, dass man im Fall eines Einbruchs allein sein würde.
00:06:30: Auch die Wege zu Terminen sind im Dunkeln sehr unangengem gewesen –
00:06:34: trotz Taschenlampe.
00:06:36: Ganz besonders positiv erinnert sich Britta an die vielen Hilfsangebote und an den guten Zusammenhalt, die man in der Zeit gespürt habe.
00:06:44: Setzerloben ist zum Beispiel die Eme aus Gemeinde.
00:06:47: Dort konnte man Geräte laden Tee und Kaffee sowie Suppe bekommen.
00:06:51: Gemeindemitglieder sind von Haus zu Haus gegangen, um Menschen zu helfen, die nicht in das gemeine Zentrum kommen konnten.
00:06:58: Ich war während des Black Outs als Reporter am zweiten Tag auch bei den Helfern der E-Maus-Gemeinde in Berlin-Zehlendorf und es war wirklich beachtlich was sie auf die Beine gestellt haben.
00:07:09: Einer der von Haus Zu Haus gegangen ist Johannes Krug, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Telto Zählendorff.
00:07:18: Unser Kollege Boris Buchholz hat mit ihm am Rande der Einsätze gesprochen.
00:07:23: Da lag noch, ja überall Schnee und die Helfer konnte man durch orange Warnwesten über den dicken Winterjagden erkennen.
00:07:31: Wir wollen euch nochmal einen kurzen Einblick geben denn die Rolle des Ehrenamtes war wirklich essentiell in den Tagen des Black Outs.
00:07:39: wir haben ungefähr zwanzig Mal umsonst gerüttelt geklopft und geklingelt damit für einen Menschen getroffen haben, dem
00:07:47: wir eine Wärmflasche
00:07:48: geben konnten oder heißes Wasser oder ein Angebot heute Abend
00:07:51: das Armbrot
00:07:52: warm vorbeizubringen.
00:07:54: Zwanzig zu eins?
00:07:55: Ungefähr.
00:07:56: also es hat sich voll gelohnt weil um
00:07:57: diese einzelnen kommt
00:07:59: uns genau an dass wir die einzelnen finden um die sich noch keiner gekümmert
00:08:03: hat.
00:08:06: Leider konnten wir in den fünf Folgen bisher nicht alle Blackout-Geschichten erzählen, von denen wir erfahren haben.
00:08:11: Sonst wäre dieser Podcast einfach viel zu lang geworden!
00:08:14: Wir wollen hier in dieser sechsten Folge aber noch mal unbedingt betonen, gerade die Momente, in denen Hilfe funktioniert, die sollen nicht untergehen.
00:08:24: Selbst als der Blackout dann irgendwann vorbei war hat man sich noch gegenseitig unterstützt.
00:08:29: Mir haben Tatjana und Kai Ehrenschneider –die am Mexikoplatz wohnen– noch eine nette Anekdote erzählt Am Abend, als der Strom wieder da war gab es eine kleine spontane Feier der Helfer auf dem Platz.
00:08:42: Und ein Imbiss direkt am Bahnhof hat mit einem Plakat alle Helferinnen und Helfer und Betroffene eingeladen doch kostenlos rumzukommen um einen Döner zu
00:08:51: essen.".
00:08:52: Ja und auch die Ehrenschneiders haben sie uns erzählt haben sich einen Döhner abgeholt!
00:08:56: Ein Hörer Thomas aus Kohlhasenbrück das liegt im Wannsee erinnert sich sogar gern an die Zeit zurück.
00:09:03: Er hat mit einem Freund und seinem Hund die Tage ohne Strom zu Hause verbracht.
00:09:09: Und uns dazu ein Video und eine Sprachnachricht geschickt.
00:09:13: Die Rahmenbedingungen waren perfekt, mal abgesehen von dem
00:09:16: ernsthaften
00:09:16: Hintergrund.
00:09:18: Wir hatten tiefen Schnee hier, alles war schön weiß zugeschneit.
00:09:21: Wir haben einen Kamin im Wohnzimmer, wir hatten geladene Akkus in vor allem funktionierende Bluetooth-Lautsprecher und wir hatten einen alten Gasiert in der Bereiche.
00:09:30: Was toll war ... Obwohl
00:09:32: es sowieso ein sehr freundlicher Kids
00:09:34: ist mit viel Nachbarschaft, dass die Hilfsbereitschaft einfach in so Situationen nochmal enorm gesteigert ist.
00:09:40: Also alle möglichen
00:09:42: Leute
00:09:42: sind mit heißem Getränken rumgelaufen haben aufgefordert sich aufzuwärmen wie wir auch und das war ja ein kleines Abenteuer hätte noch ein paar Tage dauern können.
00:09:54: Auf dem Video sieht man, wie Thomas bei Rockmusik und Rotwein in Wintersachen auf dem Gasherd Kocht- und Luftgitarre spielt.
00:10:02: Also es gab Menschen, den ging's auch gut in der Zeit Und die haben dann das Beste draus gemacht würde ich mal sagen.
00:10:08: Leider hatten natürlich nicht alle so eine positive Krisenerfahrung.
00:10:12: Immer wieder geht es in euren Nachrichten vor allem um das Problem, dass man in den Blackout-Tagen so extrem schwierig an Informationen zu Hilfsangeboten oder einfach nur dem Stand der Reparatur kam.
00:10:24: Um zu wissen was eigentlich los ist.
00:10:26: Denn die Handys und das Internet haben ja nicht funktioniert.
00:10:30: Unser Hörer Christian hatte sogar ein Kurbelradio angeschafft, um sich bei einem Stromausfall informieren zu können – allerdings hat das auch nicht richtig geholfen!
00:10:40: Zunächst wusste ich gar nicht, auf welche Frequenz man im Ernstfall eigentlich schalten sollte.
00:10:45: Also habe ich gesucht, Sender ausprobiert und bin schließlich irgendwann beim RBB Inforadio gelandet.
00:10:51: Dort liefen allerdings weiterhin reguläre Beiträge und Diskussionen.
00:10:55: Erst zu den Nachrichten zur vollen Stunde wurde der Stromausfall kurz erwähnt aber eher in der Form In Berlin gibt es einen Stromausfall.
00:11:04: Ich hatte ehrlich gesagt erwartet dass bei einer solchen Großlage zumindest die Informationsständer des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf ein deutlich erkennbares Krisen oder Lageprogramm umstellen.
00:11:15: Mit regelmäßigen Updates, klaren Durchsagen und konkreten Informationen für
00:11:20: Betroffene.".
00:11:22: Wir haben diese Nachricht an den RBB direkt weitergegeben – und die Kollegen haben auch geantwortet!
00:11:28: Allerdings sehr ausführlich, deswegen fasse ich das ein bisschen für euch zusammen….
00:11:33: RBB-IV Info Radio sei am dritten Januar ab sieben Uhr vierzig in die Berichterstattung zum Stromausfall eingestiegen und habe das Thema dann regelmäßig in den Nachrichten aufgegriffen.
00:11:45: Viele Informationen hätten sich aber erst im Laufe des Tages verlässlich klären lassen!
00:11:50: Man habe die Berichterstattung mittlerweile, gerade die in den ersten Stunden selbst kritisch ausgewertet und daraus hat man folgende Schlüsse gezogen.
00:11:58: Für künftige Lagen wolle man noch klarer und konkreter informieren und die Hinweise im Radio stärker mit Liveblocks, App-und Onlineangeboten
00:12:07: vernetzen.".
00:12:09: Übrigens, apropos Radio falls ihr noch kein Kurbelradio angeschafft habt aber möglicherweise ein Auto besitzt dann das habe ich bei der Recherche gelernt denkt immer dran dass Autoradio funktioniert auch im Falle eines Stromausfalls.
00:12:26: Den Blackout haben auch viele Menschen in ganz Deutschland verfolgt.
00:12:29: daraus sind deutschlandweite Debatten entstanden wie gut eigentlich unsere Infrastruktur geschützt ist also Strom Wasser und so weiter.
00:12:38: es hat sich also tatsächlich was getan Dazu aber später mehr.
00:12:43: Auch bei uns haben sich nicht nur Berliner gemeldet, so zum Beispiel Christian aus Cuxhaven dessen Vater in Zählendorf lebt.
00:12:50: Er hat uns folgende Sprachnachricht geschickt Hören wir mal rein
00:12:54: Ich wollte ihn am dritten ersten anrufen und habe mich gewundert Mensch keine Verbindung nix Festnetz gar nichts Handynetz hab ich ihn auch nicht erreicht Und da macht man sich natürlich irgendwie Sorgen.
00:13:08: Irgendwann war das zu mir durchgedrungen, dass da wohl ein Stromausfall in Zählendorf sein soll.
00:13:14: Ich habe es dann auch übers Internet
00:13:15: mitbekommen.".
00:13:17: Christian hat seinen Vater einen Tag später doch noch erreicht und ihn aus der Ferne durch die Krise geführt wie er uns erzählt hat.
00:13:25: Sein Vater wollte aus Angst vor Einbrechern erstmal in seiner Wohnung bleiben – egal wie kalt es ist!
00:13:31: Nach ein paar Tagen hat er sich aber doch entschieden, dass er besser ins Warme zu seiner Tochter umzieht.
00:13:37: Da ist dann aber ein anderes Problem aufgekommen.
00:13:41: Dadurch, dass da nichts funktioniert hat war natürlich auch das Garagentor zu wo sein Auto drin steht.
00:13:47: Das heißt er musste dann erst mal bei der Hausverwaltung anrufen, dass die eine Notöffnung machen und es dann zu meiner Schwester gefahren.
00:13:55: Christian hatte dann irgendwann noch eine kreative Idee wie sein Vater am besten herausfinden kann ob der Strom zurück ist.
00:14:02: dafür braucht man aber noch das gute alte Festnetztelefon.
00:14:07: Um zu wissen, ob du Strom hast oder nicht musst du halt immer wieder zu Hause anrufen und gucken, ob Du durchkommst.
00:14:12: Weil das ist ein sicherer Indikator wenn Du mit dem Telefon durch kommst dass dann auch höchstwahrscheinlich wieder überall Strom is.
00:14:23: Eine Frage die offen war euch und natürlich auch uns weiter beschäftigt ist die nach den mutmaßlichen Tätern Wer hat den Brandanschlag auf die Kabelbrücke im Südwesten Berlins verübt der zu diesem ganzen Desaster geführt hat?
00:14:37: Bisher ist noch niemand festgenommen worden.
00:14:40: Dabei hatte der Bundesinnenminister eine Million Euro Belohnung für entscheidende Hinweise in Aussicht gestellt.
00:14:47: Unser Hörer Stefan fragt sich jetzt, ob nicht angesichts dieser immensen Summe ein Vögelchen gesungen haben könnte?
00:14:55: Wir haben das Bundeskriminalamt noch einmal angefragt.
00:14:58: Von dort wurden wir direkt an die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe verwiesen, die bei Journalisten, die häufiger zu Sicherheitssystem recherchieren nicht gerade dafür bekannt ist besonders auskunftsfreudig zu sein.
00:15:10: Das bewahrheitet sich auch diesmal.
00:15:13: Was war denn die Antwort Julius?
00:15:15: Auf Ihre Anfrage kann ich Ihnen lediglich mitteilen dass die Ermittlung andauern.
00:15:19: Weitere Auskünfte werden derzeit nicht erteilt.
00:15:22: heißt es aus Karls Ruhe.
00:15:26: Ermittelt wird, wie wir berichtet haben vor allem im Linksextremen Milieu.
00:15:30: Denn es gab unter anderem mehrere Bekennerschreiben von einer oder mehreren linksextreme Vulkangruppen und diese Schreiben wurden als authentisch eingestuft.
00:15:40: All die Gerüchte über eine russische False-Fleck-Aktion, die in den Blackout Tagen kursierten – dazu haben wir auch eine Folge gemacht – wurden von den Ermittlungsbehörden als reine Spekulation bezeichnet.
00:15:53: Das beschäftigt einige von euch weiterhin und deswegen wollen wir auf eine Nachricht eingehen.
00:16:16: Wieso sprechen wir davon, dass die mutmaßlichen Täter aus dem Linksextremen-Milieu kommen und nicht von einer russischen Urheberschaft?
00:16:24: Das beantwortet am besten unser Kollege Sebastian Leber.
00:16:28: Der sich sehr viel mit Extremismus beschäftigt.
00:16:31: Er hat sich versteht diesen Reflex total.
00:16:33: ja denn der Anschlag würde ja tatsächlich sehr gut zu
00:16:36: dem hybriden Krieg
00:16:37: passen
00:16:38: den
00:16:39: Russland seit Jahren gegen Europa führt.
00:16:40: Es gibt ja tatsächlich ganz massive Versuche, die Bundesrepublik zu destabilisieren und
00:16:45: zwar mit Angriffen
00:16:46: auf unsere kritische Infrastruktur.
00:16:49: Russland ist ja erschreckend aktiv und ich glaube auch diese Gefahr wird von Teilenden deutschen Öffentlichkeit immer noch unterschätzt.
00:16:55: aber
00:16:56: in diesem Fall spricht eben nichts für eine russische Volksflagaktion.
00:17:00: Ermittler und Experten sagen einhellig es deutet nicht daraufhin.
00:17:03: und Ja das Bekennerschreiben
00:17:05: ist noch kein
00:17:06: Beweis Aber es ist ein starkes Indiz.
00:17:09: Und davon abgesehen wird natürlich weiter in alle Richtungen ermittelt, das wäre ja auch fahrlässig wie nicht.
00:17:37: Dann sind dann noch die ganz großen Fragen von euch, die sozusagen über allem schweben.
00:17:43: Die strukturellen Fragen zur Krisenvorsorge in Deutschland.
00:17:47: Wir haben einen Experten angefragt der es wissen muss.
00:17:50: Peter Erlhofer war lange Offizier bei der Bundeswehr.
00:17:53: Mittlerweile ist er pensioniert setzt sich aber weiterhin intensiv mit Krisen und Katastrophenmanagement auseinander.
00:18:01: Er ist Mitglied der Gesellschaft für Krisenvorsorge und hat das Buch Blackbox Blackout geschrieben.
00:18:07: Erlhofer kennt sich also ziemlich gut aus, möchte in Bezug auf den Berliner Blackout zunächst einmal etwas Positives hervorheben.
00:18:16: Die technische Entstörung lief gemessen an der Schadensdimension bemerkenswert schnell.
00:18:21: unter Normalbedingungen hätte eine solche Reparatur einen Monat gedauert – nicht vier Tage.
00:18:26: THW Feuerwehr Pflegedienste Alle, die rund um die Uhr gemacht haben was gebraucht wurde.
00:18:32: Die pragmatische Lösungen gefunden haben wo nichts vorgeplant war.
00:18:36: das war
00:18:36: bemerkenswert.".
00:18:38: Aus unserer Hörerschaft haben uns viele Fragen dazu erreicht inwiefern der Staat und die Verwaltung auf Katastrophen wie den Berliner Stromausfall vorbereitet sind.
00:18:47: eine Hörerin schreibt uns dazu
00:18:57: Ist es nicht
00:18:58: im Heldbereich ein zu politisierter Wasserkopf?
00:19:02: Der ehemalige Bundeswehr-Offizier Peter Erlhofer beantwortet das so.
00:19:14: Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob der Staat grundsätzlich zu groß oder zu politisiert ist.
00:19:32: Sondern ob seine Strukturen schnell klar und krisenfest genug organisiert sind für die Herausforderungen, die wir heute sehen – und die werden ja eher mehr als
00:19:41: weniger.".
00:19:43: Erlhofer berichtet uns außerdem von immer wiederkehrenden Problem bei seiner Arbeit.
00:19:53: sind in der Regel besser vorbereitet, als die politisch-administrativen Ebenen darüber.
00:19:58: Ehrenamtliche Helfer und Spontankräfte funktionieren.
00:20:01: Die Verwaltungen reagieren schwerfältig, tun sich schwer vor die Lage zu
00:20:05: kommen.".
00:20:08: Eine aktuelle Umfrage – Der Resilienzindex-sixundsechsenzwanzig zeigt, dass die Erwartung der Menschen an den Staat hoch sind noch besser vorbereitet zu sein!
00:20:18: In dieser Umfrage wurden insgesamt zweitausend Fünfhundert Deutsche befragt.
00:20:23: Achtendfünfzig Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass die Bundesregierung mehr tun müsse um die Resilienz Deutschlands zu verbessern.
00:20:30: Interessanter Fakt?
00:20:32: Nur dreißig Prozent sehen sich selbst in der Pflicht besser vorbereitet zu sein!
00:20:37: Auch unseren Hörer Ralf beschäftigt die Frage wie gut Deutschland vorbereitet ist.
00:20:42: Er schickt uns folgende Nachricht
00:20:45: Wie stark sehen Sie den ernsthaften Willen der deutschen Regierung und Behörden hier ernsthafte Vorsorge zu betreiben?
00:20:51: Meine Lebenserfahrung lehrt mich, dass es immer auf das Geld oder Mittel zu schieben nicht zielführend
00:20:56: ist.
00:20:57: Man kann zumindest sagen, dasses mehr Gelder geben soll!
00:21:01: Der Bund hat in diesem Mai für die Krisenvorsorge zusätzlich zehn Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
00:21:07: Julius du hast dir das genauer angeschaut.
00:21:10: was soll denn davon genau finanziert werden?
00:21:13: Ja diese große Summe ist bis.
00:21:18: Das Geld soll unter anderem in zusätzliche Ausrüstung, Gebäude und Personal etwa beim technischen Hilfswerk fließen.
00:21:26: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sagte, sein Haus werde zudem eine neue Stabstelle Kommando Zivile Verteidigung schaffen die im Verteidiungsfall die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr
00:21:38: koordiniere.".
00:21:40: Ja das hört sich ja erstmal ganz groß an!
00:21:42: Wie kann man das denn einschätzen?
00:21:43: Ist das jetzt der Durchbruch für die
00:21:45: Krisenvorsorge?!
00:21:46: Alexander Dobrindt und das Bundesinnenministerium würden das wahrscheinlich so sehen.
00:21:50: Aber natürlich gibt es, wie bei allen politischen Entscheidungen auch Kritik – und die kommt vor allem aus den Kommunen!
00:21:57: So fordert der Deutsche Landkreistag in Reaktion auf die Pläne Dobrins eine direkte Einbeziehung von Ländern und Kommunen beim geplanten Zivilschutzausbau.
00:22:06: Dies sei bisher zu wenig geschehen, so die Kritik.
00:22:09: Das sei ein Problem, weil im Katastrophenfall vor Ort entschieden werde was zu tun sei oder wo zum Beispiel Verletzte untergebracht würden.
00:22:18: Es gibt noch einen anderen Aspekt bei diesem Themenkomplex, der auch unserem Experten Peter Erlhofer besonders wichtig ist Der Staat – das sind wir alle nicht nur die Institutionen Julius ich unsere Hörerinnen und Hörern Wir alle sind für uns selbst verantwortlich.
00:22:34: Der Krisenexperte Erl hofer beschreibt es so
00:22:38: Es gibt in Deutschland eine sehr verbreitete Haltung.
00:22:43: Das ist verständlich, historisch gewachsen.
00:22:46: Aber in einer echten vernetzten Krise schlicht falsch!
00:22:49: Haushalte die sich vierzehn Tage lang mit dem nötigsten behelfen können – mit Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten, guten Kenntnissen in erster Hilfe – sie entlasten das System erheblich.
00:23:01: Das ist keine Selbstschutzromantik, dass es nicht eine Krisenvorsorge und dafür braucht es keine Angst als Motivator sondern verständliche, ehelische Kommunikation.
00:23:13: Und dann ist da noch eine für mich sehr überraschende Erkenntnis aus der neuen Resilienzstudie.
00:23:18: In den meisten Bundesländern wird Deutschlands Resilience als schlecht oder sogar sehr schlecht bewertet.
00:23:24: Eine Ausnahme bildet Berlin.
00:23:27: Neunundreißig Prozent der befragten Berlinerinnen und Berliner halten Deutschland für gut vorbereitet, es ist der höchste Wert in dieser Befragung.
00:23:35: Die Berlinerin und Berlina trauen im Staat also eine bessere Vorsorge zu als alle anderen befragten Deutschen.
00:23:49: Und damit sind wir am Ende von hundertvier Stunden Blackout!
00:23:53: Das Wort Resilience – das werde ich jetzt nach sechs Folgen dieses Podcast wohl mit in meine Träume nehmen.
00:23:59: Ja, das kann ich sehr gut verstehen Julius.
00:24:02: Aber vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht denn ich würde sagen wenn wir beide etwas gelernt haben während der Recherche dann ist es auch die Botschaft dass eben nicht nur der Staat sondern wir alle für Krisenvorsorge verantwortlich sind.
00:24:16: An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei all unseren Hörerinnen und Hörern Für die interessanten Einblicke und das positive Feedback bedanken aber natürlich auch für die Kritik Denn die gehört auch dazu.
00:24:29: Wir freuen uns weiterhin, wenn ihr diesen Podcast teilt und ihn weiter empfehlt.
00:24:34: Denn der nächste Stromausfall kommt bestimmt!
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