Bonus-Folge: Die eine Unwahrheit zu viel

Shownotes

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner tritt als CDU-Spitzenkandidat zurück – seine Aussagen zum Berliner Stromausfall wurden ihm zum Verhängnis. Es geht um die Frage, was der Politiker tatsächlich am ersten Tag des Blackouts im Januar gemacht hat. Auslöser sind neue Recherchen des Tagesspiegel.

Warum die Recherche so lange gedauert hat, warum sich das Bundeskanzleramt zu Wort meldet und was das jetzt für die Berliner Politik bedeutet, ordnen Anke Myrrhe, stellvertretende Chefredakteurin und Autorin des "Tagesspiegel Checkpoint", und der rechtspolitischer Korrespondent Jost Müller-Neuhof in dieser Bonus-Folge.

Hier findet Ihr Artikel zur aktuellen Recherche rund um den Stromausfall:

Hier den neuen Tagesspiegel-Podcast hören: "Im Osten - Wo Deutschland sich entscheidet".

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Recherche: Anke Myrrhe und Jost Müller-Neuhof
Schnitt und Produktion: Hilda Lücker
Sounddesign und Musik: Marvin Schwarz
Cover-Art: Manuel Kostrzynski

Für das Sounddesign des Podcast wurde teilweise unterstützend KI eingesetzt.

Transkript anzeigen

00:00:06: Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU tritt nicht mehr als Spitzenkandidat bei den anstehenden Wahlen an.

00:00:14: Und das hat mit dem Stromausfall im Januar, zu tun.

00:00:18: Genau deswegen sind wir noch einmal zurück im Studio!

00:00:22: Mehr als ein halbes Jahr nach dem Blackout in der Hauptstadt gibt es eine neue Wendung.

00:00:27: Es geht wieder einmal um die Frage, was hat der regierende Bürgermeister tatsächlich an dem Tag gemacht, als der Strom im Südwesten Berlins plötzlich ausgefallen ist?

00:00:37: Nach langem Hin und Her hat eine aufwendige Tagesspiegelrecherche neue Erkenntnisse über Wegnastagesablauf ergeben Und die zeigen deutlich, an welchen Stellen er die Unwahrheit gesagt hat.

00:00:49: Warum die Recherche so lange gedauert hat?

00:00:51: Warum wir trotzdem dran geblieben sind?

00:00:53: Warum sich sogar das Bundeskanzleramt zu Wort meldet und was das jetzt für den Wahlkampf in Berlin bedeutet – das erfahrt ihr in dieser Folge!

00:01:10: Ich bin Sonja Gillert, Journalistin beim Tagesspiegel und ihr hört aus aktuellem Anlass eine Sonderfolge von hundertvier Stunden Blackout.

00:01:18: Bei mir hier im Studio ist meine Kollegin Anke Mürre, stellvertretende Chefredakteurin und Autorin des Newsletters Tagespiegel Checkpoint.

00:01:27: Außerdem ist Joost Müller Neuhof zugeschaltet – er isst rechtspolitischer Korrespondent beim Tagespiegel!

00:01:34: Hallo Anke, hallo Joast!

00:01:37: Anke, lass uns doch direkt rein starten.

00:01:39: Beim Tagesspiegel haben wir in den letzten Monaten immer weiter zu der Frage recherchiert was Kai Wegner, der regierende Bürgermeister Berlins oder wie man hier sagt Der Regierende am ersten Tag des Stromausfalls tatsächlich gemacht hat mit wem er telefoniert und informiert hat über das was im Berlin passiert ist.

00:01:59: Eigentlich ging alles damit los, dass man ihn am dritten Januar nicht gesehen hat.

00:02:04: Hol uns am besten einmal ab!

00:02:06: Warum ist das ein Thema?

00:02:08: Ja, der Stromausfall war ja sehr früh am Morgen.

00:02:11: Also in den ersten Morgenstunden liefen die Nachrichten über den Ticker und es war sehr schnell klar hier sind sehr viele Haushalte betroffen also rund fünfzigtausend.

00:02:19: Und mittags war dann auch schon klar das dauert jetzt nicht nur ein paar Stunden sondern eher Tage.

00:02:25: Also eine wirklich große Sache für die ganze Stadt.

00:02:28: Kai Wegener liess sich aber den ganzen Tag nicht blicken im Krisengebiet und seine Abwesenheit fiel uns damals am Nachmittag das erste Mal auf weil es ungewöhnlich erschien.

00:02:38: Warten ja geradezu auf diese Art von Gummistiefelmomenten.

00:02:42: Wir sind auch im Wahljahr in Berlin, das heißt, das sind die Momente wo man eigentlich punkten kann, wo man die Ärmel hochkrempelt, Decken verteilt so den Mann des Volkes geben und als So einer war Kai Wegner bekannt.

00:02:54: also er ist nicht so sehr der Typ Aktenfresser sondern einer der gut mit Menschen kann, der zupackt und deswegen dachten wir da schon am Nachmittag, das ist irgendwie merkwürdig.

00:03:06: Kai Wegner tauchte erst dreißig Stunden nach Beginn des Stromausfalls wieder öffentlich auf.

00:03:11: Und zwar vor einer Notunterkunft in Zehlendorf, wo ihn dann auch gleich wütende Bürger empfingen, die ihn beschimpft haben.

00:03:17: Das ist also wirklich nicht gut gelaufen bei diesem Termin und ich glaube, Kai Wegler ist in diesem Moment aufgefallen dass er einen großen Fehler gemacht hat.

00:03:25: Warum er nicht dort war wissen wir nicht.

00:03:27: vielleicht gab es dafür gute Gründe über die er nicht sprechen kann.

00:03:30: aber anstatt das zu thematisieren und zu sagen das waren Fehler Ich bitte um Entschuldigung Jetzt bin ich voll da, hat Kai Wegener einen anderen Weg gewählt und hat nicht die Wahrheit über diesen Vormittag gesagt.

00:03:43: Er sagt er habe sich zu Hause in seinem Büro eingeschlossen und den ganzen Tag Telefonate geführt auf die Frage wo er denn gewesen sei.

00:03:49: am Samstag eine folgenschwere Entscheidung denn daraufhin verstrickte er sich über die Monate immer weiter in Unwahrheiten was ihn jetzt schließlich seine Karriere gekostet hat.

00:04:01: Anke, du hast es eben angesprochen.

00:04:03: Es kam dann raus das als der Strom weg war.

00:04:06: an Tag eins hat Kai Wegner eine gewisse Zeit um die Mittagszeit Tennis gespielt und das verschwiegen.

00:04:13: was jetzt allerdings herauskommt dass wiegt deutlich schwerer Joost.

00:04:17: lass uns doch mal damit einsteigen.

00:04:19: Was wissen wir denn jetzt über Wegners dritten Januar?

00:04:22: Also soweit dass die Antworten der Senatskanzlei hergeben hat Kai Wegner am Vormittag in einem Textnachrichtenaustausch mit der Innsinnatorin gestanden.

00:04:34: Der Bestand wohl aus zwei Textnarrichten, danach gab es weitere Textn Nachrichten.

00:04:39: um zwölf Uhr fünfundvierzig gab es ein Telefonat mit der Wirtschaftssinnatorinnen Giffey und dann soll es noch ein weiteres Telefonate von Kai Wegna mit vermutlich seiner Leuten eine Senatskanzlei gegeben haben.

00:04:54: Auch das Bundeskanzleramt hat sich ja jetzt zu dem Vorfall zur Wort gemeldet.

00:04:59: Wie kam es dazu?

00:05:00: Was hat es mit dieser Aussage auf sich?

00:05:03: Das Bundeskantleramten hat sich jetzt zur Wortgemeldet hinsichtlich der Frage nach telefonischen Kontakten während des Stromausfalls zwischen Kai Wegner und Friedrich Merz, denn Kai Wegners gehörte zu den Aussagen die wir geprüft hatten.

00:05:18: Kai Wegna hat im Januar im RBB behauptet dass er mit Kanzler Merz persönlich telefoniert habe, mehrfach sogar.

00:05:28: Und deshalb sind wir auch dieser Frage nachgegangen und der gegenwärtige Stand ist dass das Bundeskanzleramt gesagt hat, dass soweit feststellbar da kein Gespräch stattgefunden hat.

00:05:38: Das wird aber von der Senatskanzlei bestritten weil es ein Gespräch am vierten Januar statt gefunden hat.

00:05:44: Was da tatsächlich passiert ist wissen wir noch nicht.

00:05:47: Um überhaupt an diese Information zu Wegnastagesablauf zukommen von der Senatsverwaltung, seid ihr auch vor Gericht gegangen.

00:05:55: Ihr habt einen Eilantrag auf Grundlage des presserechtlichen Auskunftsanspruchs gestellt?

00:06:00: Was genau ist das?

00:06:01: Wie funktioniert das?

00:06:03: Ja, das ist nach Landespressegesetz.

00:06:05: Das Berliner Pressegesetz hat in seinem Paragrafen vier wie alle Landes-Pressegesetze die Informationspflicht der Behörden und das ist gleichzeitig ein Auskunftsrecht von Medienvertreterinnen und Medienvertretern.

00:06:18: Und daran ist festgehalten dass Journalistinnen und Journalisten einen Anspruch haben Gegen staatliche Stellen im Land gegen behördliche Stellen auf ihre Anfragen wahre vollständige und sachgerechte Auskünfte zu bekommen.

00:06:34: Und das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, wir haben nicht nur Einverfahren gegen die Senatskanzlei in dieser Sache geführt sondern zwei weil wir uns diesen ganzen Komplexen erstmal langsam annähern mussten um zu wissen was man wo eigentlich wie passiert sein könnte und auch um die richtigen Fragen zu stellen.

00:06:50: Wichtig ist vielleicht auch der Punkt Vollständigkeit.

00:06:52: ja so eine Taktik von Behörden es ist oft halt auf fragen irgendwas zu sagen aber die entscheidenden Punkte dann eben offen zu lassen.

00:07:01: Und einer dieser entscheidenden Punkte war, welche Telefonate gab es da eigentlich am Vormittag?

00:07:07: So wie Kai Wegner das tatsächlich behauptet hatte.

00:07:09: Denn er hat ja im Interview bei WeltTV gesagt ich habe in der Tat begonnen um acht Uhr acht die Telefonat zu führen.

00:07:16: Das heißt dann muss es nach seiner Aussage welche gegeben haben und genau nach denen haben wir gefragt.

00:07:22: Und vielleicht ist noch ein wichtiger Aspekt, da ja Kai Wegner immer erzählt hat das sei doch alles alt was der Tagespiegel da jetzt geschrieben hat.

00:07:31: Das ist natürlich nicht Alt weil damals ist der Bürgermeister zur Bildzeitung gegangen und hat ein wenig etwas von seinem Vormittag erzählt.

00:07:39: Das is schon zutreffend aber erstens wissen wir natürlich nicht ob das wahr ist was dann in der Bildzeitungen steht.

00:07:45: und der zweite Punkt es ist dass vollständig und der presserechtlicher Auskunftsanspruch Anspruch auf eine vollständige Information zu einer konkreten Frage.

00:07:56: Das heißt, in der Bildzeitung damals blieb einfach offen ob es nicht doch irgendwelche Telefonate gegeben haben könnte und das führt dazu dass man natürlich nicht berichten kann.

00:08:06: Kai Wegner hat vermutlich oder tatsächlich die Unwahrheit gesagt man muss erst sicher gehen dass tatsächlich kein einziges Telefonat an diesem Morgen stattgefunden hat.

00:08:17: Und das ging hier in diesem Fall nun mit einem erneuten Antrag auf Eilrechtsschutz beim Verwaltungsgericht nach dem Landespressegesetz und da wurde die Behörde dann auch antragsgemäß verpflichtet, über die Telefonate am Vormittag und ihre Dauerauskunft zu geben.

00:08:31: Und siehe da es war tatsächlich kein einziges Telefonaat bis zwölf ufmundvierzig.

00:08:36: dass mit Frau Gefei

00:08:38: als Journalist vor Gericht zu gehen um Auskunft zu bekommen, ist ja eher ein letzter Schritt.

00:08:43: Ist das kann man sagen eine absolute Ausnahme weil alles vorher schon versagt hat?

00:08:47: Es für den Tagesspiegel eigentlich kein letzter Schritt.

00:08:50: wir machen das öfter aus einem einfachen Grund sehr viele Auskünfte von Behörden insbesondere von Bundesbehörden ganz insbesondere von Regierungsbehörde und Bundesministerien bei solchen Fragen die der politischen Leitungen der Behörde unangenehm sind.

00:09:05: Die Antworten auf diese Fragen sind sehr häufig mindestens unvollständig Und wenn man hier mehr wissen möchte, dann kann man sagen ich will mehr wissen.

00:09:19: Aber man hat einen kurzen Hebel.

00:09:21: Es gibt eigentlich gar keine Chance mehr das zu wissen als anders das gerichtlich anhängig zu machen.

00:09:27: und das ist auch meiner Erfahrung ganz oft erst in dem Moment wo man ein Auskunftsbegehren tatsächlich gerichtlich einhängig macht.

00:09:36: Wir nehmen gerade Bundesbehörden das ernst und meistens ist es so, dass auch schon dann Informationen kommen.

00:09:42: Das war auch in unserem ersten Weg nach Verfahren so.

00:09:45: Da brauchten wir gar keinen Gerichtsbeschluss weil schon im Verfahren selber die Auskünfte erteilt worden sind.

00:09:50: Im zweiten jetzt nicht denn da wusste natürlich diese Nahrz-Kanzlei genau, dass das nochmal die Bombe platzen lässt wenn klar ist, dass es da kein Telefon hat gehabt.

00:10:00: Jetzt kann man sagen, Mensch der Strom ist zurück.

00:10:03: Was soll's?

00:10:04: Anke warum sind wir dran geblieben an dem Thema beim Tagespiegel?

00:10:08: Weil das alles nicht zusammenpasst, die ganze Geschichte kam uns komisch vor.

00:10:11: Wir hatten das Gefühl da ist etwas dass uns Kai Wegener nicht sagt und das ist mir auch wichtig zu betonen.

00:10:17: an dieser Stelle nochmal weil diese Kritik häufiger kommt.

00:10:20: es geht nicht darum dass Kai Weger eine Stunde Tennis gespielt hat oder dass er mal die Lage falsch einschätzt oder ausschlafen wollte mit der Familie Frühstücken was auch immer.

00:10:30: Es geht darum dass Amtsträger und öffentliche Stellen der Wahrheit verpflichtet sind.

00:10:34: sie dürfen das Volk nicht einfach belügen.

00:10:37: Das ist was ganz wichtig, in dieser ganzen Causas geht um das Grundvertrauen in die Institutionen und den Staat.

00:10:43: Dass der nicht einfach die Unwahrheit verbreiten kann.

00:10:46: Es mag bei diesem Stromausfall Vormittag eine Lappalie gehen.

00:10:50: Natürlich ist es für die betroffenen Menschen erst mal nicht wichtig dass der regierende Bürgermeister sich selber darum kümmert solange seine Leute die Lage im Griff haben.

00:10:58: aber er darf eben nicht einfach Die unwahrheitssagen und so tun als hätte etwas getan was er nicht getan hat.

00:11:05: Und überall dem schwebt dann eben die Frage seiner grundsätzlichen Glaubwürdigkeit.

00:11:09: Dieses Gefühl, wenn der hier lügt... Wo lügt ihr dann womöglich noch?

00:11:13: Also das ist ein Grundvertrauen in seine Person und das konnte man auch über die vergangenen sieben Monate sehen, wie es immer weiter runtergegangen ist.

00:11:21: Und die Leute ihm einfach nicht mehr vertrauen.

00:11:23: Das ist jetzt glaube ich der Punkt gewesen wo die Entscheidung getroffen ist.

00:11:27: okay wir können mit diesem Kandidaten nichts mehr gewinnen!

00:11:29: Der regierende Bürgermeister hat ja normalerweise im Wahlkampf einen Amtsbonus.

00:11:34: In diesem Fall ist es ein Malus gewesen.

00:11:36: also der Kai Wegner hat der CDU eher geschadet als er geholfen hat.

00:11:40: Vielleicht noch mal eine Nachfrage, Jos zu dem ganzen Verfahren das vor Gericht zu ziehen.

00:11:45: Das macht man ja nicht eben so.

00:11:47: wie kompliziert ist es?

00:11:48: da gibt es da auch als Bürger die Möglichkeit Unterstützung zu bekommen in solchen Fällen wenn man solche Anfragen hat.

00:11:55: Dieses Auskunftsrecht, das steht nur Journalistinnen und Journalisten zur Verfügung nach Landespressegesetz.

00:12:00: Aber natürlich steht es auch Mitarbeitern von Rundfunkanstalten die redaktionell arbeiten.

00:12:05: Denen steht ein Recht aus dem Rundfunksstaatsvertrag zu was in eine ähnliche Reichweite hat.

00:12:10: also das sind Rechte die können tatsächlich Medienvertreter gelten machen und nicht einfach Bürgerinnen und Bürger.

00:12:17: Also wir sind sozusagen hier die Beauftragten der Bürgerinnen- und Bürger, da möchte ich gerne auch mal an Anker anknüpfen, die hier einen wichtigen Punkt gemacht hat.

00:12:25: Es geht in der Causa Wegner letztlich wenn man ehrlich ist nicht nur um Berlin Berliner Politik und die Glaubwürdigkeit eines Kandidaten für eine Bürgermeisterwahl Sondern.

00:12:38: es geht ganz prinzipiell um die Frage, dass die Informationen, die ein Staat verteilt über sein staatliches Handeln und tun, das sind privilegierte Informationen.

00:12:46: Die hat nur der Staat!

00:12:48: So und die müssen richtig sein, der Staat weiß mehr als wir.

00:12:52: Wenn die Bürgerinnen und Bürger eine informierte Wahlentscheidung treffen wollen und gleichzeitig Journalisten und Journalisten auch wirksame Machtkontrolle gegenüber einer Regierung ausüben sollen und die richtigen Fragen stellen sollen und den richtigen Recherchen machen sollen dann ist es ein Grundprinzip das die Auskünfte einer Regierung, dass sie wahr sein müssen.

00:13:11: Da darf keine Falschauskunft vorkommen und wenn es welche gab, müssen die ausgeräumt werden.

00:13:17: Und das hier ist, geradezu exemplarisch ein Fall.

00:13:20: Hier hat es eine Menge halbware falsche unvollständige Auskünfte gegeben und deshalb musste das gründlich aufgeklärt werden.

00:13:28: also deshalb möchte ich noch mal deutlich sagen Es ist natürlich ein Fall-Wigner aber er hat eine breitere Bedeutung.

00:13:35: die sollten wir Journalisten und Schulisten auch sehr ernst nehmen.

00:13:39: Das heißt im Grunde du hast es betont auch wenn Bürgerinnen Themen haben, wo sie sich fragen.

00:13:44: Stimmt das denn wirklich?

00:13:45: Dann können Journalisten da weiterhelfen.

00:13:48: und deswegen ist es so wichtig auch wenn Hörerinnen jetzt zum Beispiel ein Thema haben dass Sie sich gerne bei uns melden können unter podcastetagespiegel.de mit Ihren Fragen.

00:13:59: und im Zweifelsfall Joost bleibst du dann dran!

00:14:02: Im Zweifel sei ja, wenn's Zweifeln an der Wahrheit gibt und Zweifelt an der Vorständigkeit.

00:14:07: Ich würde gerne noch einmal auf die politische Dimension des Ganzen schauen.

00:14:11: Kai Wegner ist jetzt als Spitzenkandidat der CDU zurückgetreten im Wahlkampf, wie kam es zu diesem Rückzug?

00:14:17: Weil das zog sich ja jetzt über Monate dieses Thema anke.

00:14:21: Ja, sie haben versucht das auszusitzen.

00:14:22: Jus hat's voll schon angedeutet.

00:14:24: deswegen gab es eben da auch keine Vorabinformationen.

00:14:26: vielleicht haben Sie gehofft dass das Gericht noch ein bisschen später damit raus kommt.

00:14:29: also sie haben sich irgendwie versucht zu diesem Wahltag zu retten, einfach auch ein bisschen aus Mangel an Alternativen.

00:14:35: Denn es ist ja ohnehin ungewöhnlich dass ein regierender Bürgermeister als Kandidat dann nicht nochmal antritt – zumindest nicht wenn er im Alter von Kai Wegener ist so das.

00:14:45: der hätte natürlicherweise noch ein paar Amtszeiten machen können und ist glaube ich bis zum Jahresanfang davon ausgegangen, dass er sehr lange regieren kann.

00:14:52: hier weil die anderen Parteien jetzt auch nicht unbedingt Kandidaten haben, die sehr bekannt sind oder schillernd also offener Wahlkampf.

00:15:01: Und es gab jetzt in dieser Woche zwei Komponenten, die dann letztlich zum Rückzug geführt haben.

00:15:06: Das eine ist eine Umfrage, die zum ersten Mal die CDU seitdem sie das Rote Rathaus erobert hat also seit Wegen des Wahls nicht mehr auf Platz eins gesehen hat.

00:15:18: Mehr noch, das war ein Absturz direkt auf Platz vier.

00:15:22: Und da sieht man auch wie eng der Wahlkampf ist.

00:15:23: Da liegen fünf Parteien nahezu gleich auf um die zwanzig Prozent je nach Institut mal mehr Mal weniger und es hat sich abgezeichnet in den vergangenen Wochen.

00:15:33: Die CDU ist da immer weiter runtergegangen aber man hatte eben gehofft dass man da irgendwie durch segeln kann bis zur Wahl.

00:15:40: Das andere war eine Dynamik unserer Berichterstattung also dass wir Durchjustsrecherche jetzt erstmals belegen konnten wirklich gar nicht telefoniert hat an diesem Vormittag und das eben ganz, ganz eindeutig entgegen dieser Aussage.

00:15:54: Ich habe um acht Uhr acht angefangen die Telefonate zu führen und das hat noch mal eine ganz ... also da sage ich mal hat auch der letzte verstanden worum es hier geht und wir haben diese Veröffentlichung gemacht am Dienstag.

00:16:06: Das war der Tag von Kai Wegners großem Hoffest, wo die halbe Stadt irgendwie da ist.

00:16:11: Also zumindest diejenigen, die in dieser Stadt was zu sagen haben.

00:16:14: Viertausend Gäste Die versammelte Stadtgesellschaft am Roten Rathaus und auf diesem Fest gab es wirklich kein anderes Gesprächsthema.

00:16:23: Da ist die Panik auch der CDU Basis, der Funktionäre und anderer Senatsmitglieder auch wegen einer Vertraute, die gemerkt haben okay das Ding fliegt uns hier jetzt gerade um die Ohren.

00:16:33: Die hat sich an den Bier- und Weinständen dieses Hoffestes noch mal potenziert.

00:16:39: Und dennoch habe ich an diesem Abend nicht für möglich gehalten dass sie den Kandidaten noch austauschen denn das ist so wenige Wochen vor der Wahl wirklich etwas Ungewöhnliches.

00:16:48: Es gab's noch nie in Berlin.

00:16:49: Warum hat das überhaupt so lange gedauert, bis ihr die ganze Recherche beisammen hattet und dann veröffentlichen konnten?

00:16:54: Just am Tag des Hofests.

00:16:56: Wir hätten das gerne früher veröffentlicht also wenn die zuständigen Stellen uns sachgerecht vollständige und wahrheitsgemäße Auskünftige liefert hätten und dazu zähle ich in dem Fall auch das Bundeskanzleramt dass wir im Januar damals auch zu Edweigengesprächen mit der Senatskanzlei angefragt hatten Wenn wir da zutreffende Auskunft bekommen hätten und zutreffende Angaben über diesen Ablauf des Vormittags des dritten Januar bereits am neunten, zehnten, elften Januar im Tagesspiegel veröffentlichen können.

00:17:29: Und dann wäre gleich allen klar gewesen dass Herr Wegner nicht nur einmal zweimal sondern dreimal möglicherweise auch viermal die Unwahrheit gesagt hat und das dann kein Zufall mehr sein kann.

00:17:42: Und ich bin relativ sicher, dass das dann so nah an dieser ersten fundamentalen Lüge, die er da gemacht hat.

00:17:47: Dass er nämlich den ganzen Tag sich eingeschlossen hätte.

00:17:50: Dass das dann sofort Konsequenzen gehabt hätte.

00:17:52: Da habe ich wenig Zweifel.

00:17:54: Siehst du es ähnlich Anke?

00:17:55: Absolut.

00:17:56: Es war, muss ich sagen, allein Jos Zartnäckigkeit der da immer weiter dran geblieben ist und immer noch mal nachgefragt hat die jetzt letztlich diese Recherche noch möglich gemacht hat und dann eben erst da war.

00:18:07: ja also wir haben das durchaus vorher.

00:18:09: wir haben mir auch immer wieder über die Monate weiter berichtet.

00:18:12: manche Berichte sind groß rezipiert worden manche nicht Aber die haben eben auch von der Senatskanzlei ganz aktiv versucht, uns davon abzuhalten weiter zu berichten und auch uns zu diskreditieren.

00:18:24: Es gab ja auch die Klageandrohung und da sagte Kai Wegner in der Senatpressekonferenz Die Interpretation des Tagesspiegels entbährt jeder Grundlage.

00:18:34: Das sind ja alles immer so Spielchen, die dann gespielt werden damit wir uns vielleicht um andere Dinge kümmern.

00:18:39: Auch immer wieder die Nachfrage ist das denn Wollt ihr denn nicht mal über die tollen Sachen berichten?

00:18:45: nur sagen, ja das machen wir gerne auch.

00:18:48: aber deswegen hören wir nicht auf weiter Fragen zu stellen.

00:18:51: und es stellt sich nun heraus.

00:18:52: Es war sehr gut dass wir bis zum Schluss noch mal nachgefragt haben.

00:18:55: und wenn sich jetzt irgendjemand ärgert darüber, dass das so kurz vom oder mitten im Wahlkampf jetzt zum Beginn der Sommerferien werden da einige Urlaube gerade verhagelt Dann muss man nur sagen, ja selbst schuld.

00:19:08: Denn hätten sie die Informationen am Anfang rausgegeben dann wären wir jetzt nicht in dieser Situation und dann hätte auch die CDU vermutlich noch eine Chance gehabt einen neuen Kandidaten ordentlich aufzubauen.

00:19:19: denn das ist schon sehr, sehr harakiri wie das jetzt laufen wird die nächsten Monate.

00:19:23: Lass

00:19:23: uns doch ganz kurz zum Schluss einmal auf das Kandidatenfeld blicken.

00:19:27: was hat sich denn für die verändert durch den Wechsel des CDU-Spitzenkandidaten?

00:19:31: Es gibt da ja schon jemand Neues.

00:19:34: Ja, das macht jetzt Stefan Evers.

00:19:35: Der ist derzeit Finanzsenator und seit ein paar Wochen auch noch Kultur-Szenatoren, seitdem die Kultursenatur in zurückgetreten ist also dass es einer da immer sehr breitwillig einspringt wenn man nach ihm ruft.

00:19:47: er ist aber keiner der von sich aus ruft.

00:19:49: Also wenn es einen gegeben hätte der wegen ja schon Anfang des Jahres vom Nitron hätte stoßen können dann wäre es Stefan Ebers gewesen weil der eben sehr als sehr kompetent, der ist sehr klug.

00:20:00: Sehr ruhig und witzig.

00:20:01: Das ist ein hochgeschätzter Politiker aber eben einer eher für die zweite Reihe.

00:20:06: Also es ist keiner, der bisher nach vorne getreten ist und vor allem ist er wahnsinnig loyal.

00:20:10: also der war derjenige den Wahlkampf für Kai Wegener organisiert hat Und der ist einfach nicht der Typ, der seinem eigenen Regierenden hinten das Messer in den Rücken rammt.

00:20:20: Deswegen ist es wirklich eine interessante Fügung der Geschichte, dass der jetzt da ganz vorne steht.

00:20:26: Denn wenn es einen gibt, der's auf keinen Fall wollte dann er!

00:20:31: Ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht.

00:20:33: Aber es ist eben jemand auf den sich viele Leute einigen können auch in der Partei und ich habe schon jetzt von ersten verzweifelten Wählerinnen und Wählern gehört, die sagen so okay jetzt kann man ja vielleicht doch wieder die CDU wählen, die halt von dieser ganzen Stromausfallgeschichte und dem Umgang Kai Wegners damit gesagt haben, denen können wir auf gar keinen Fall wählen.

00:20:51: für die ist jetzt möglicherweise die CDU wieder eine Option.

00:20:54: Abschließend Just, wüsste ich gerne von dir.

00:20:56: Du hast dich ja jetzt über Monate immer wieder mit der Frage beschäftigt was war am dritten Januar los?

00:21:03: wie geht es jetzt weiter bei der Recherche?

00:21:05: Also ich möchte mal vorsichtig sagen vollständige Transparenz über den Ablauf dieses Tages die ist nicht da.

00:21:12: sie ist jetzt auch nicht mehr so wichtig wo der zentrale Akteur angekündigt hat nicht mehr neu kandidieren zu wollen.

00:21:20: Allerdings, das darf man nicht vergessen möchte er ja noch im Amt bleiben als regierender Bürgermeister und ich denke dass dazu auch gehört die gestellten Fragen auch mal alle zu beantworten.

00:21:32: Und ich kann nur sagen wir warten noch!

00:21:35: Danke Joris, danke Anke

00:21:36: sehr gerne!

00:21:37: Gerne Wenn ihr noch Fragen zum Thema habt, dann schreibt uns wie gesagt gern an podcastetagespiegel.de.

00:21:45: Ich stelle euch natürlich auch noch die Artikel der Kolleginnen und Kollegen in die Shownotes.

00:21:50: Und falls ihr jetzt dringend neuen Hörstoff sucht Dann habe ich auch noch einen Tipp für euch!

00:21:55: Meine Kollegin Sabine Schicke-Tanz und mein Kollege Robert Ide haben ein neun Podcast gelaunched.

00:22:01: Da hört ihr übrigens immer wieder Julius Geiler aus diesem Podcast.

00:22:05: Das neue Format heißt im Osten Deutschland sich entscheidet, darin erfahrt ihr jeden Donnerstag welche Themen vor den entscheidenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im Herbst die Menschen bewegen.

00:22:19: Und was das für das ganze Land bedeutet?

00:22:22: Hört doch gerne rein!

00:22:23: Im Osten wo Deutschland sich entscheiden auch dazu.

00:22:26: mehr Infos in den Shownotes.

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